Iván Pérez, Grzegorz Bral «Island»

Heidelberg

Tanz - Logo

Kein Meer ringsum. Stattdessen ein karger Kastenraum, behängt mit Spiegeln, bestückt mit Stühlen. Mehr braucht es in Heidelberg nicht, um die Ausgangssituation des Stücks sichtbar zu machen. Prospero, Protagonist in Shakespeares «Sturm», hat es nicht auf eine einsame Insel verschlagen. Der «Tanzabend mit Chor», den Iván Pérez und Grzegorz Bral im Marguerre-Saal vorstellen, imaginiert sein «Island» auf andere Art: als Innenschau, die den Herzog von Mailand weniger als Magier denn als Leidensgefährten von König Lear vorstellt.

Denn die Bühne ist ein geistiger Raum, man könnte auch meinen: eine geschlossene Anstalt.

Klar, dass hier keine Geschichte erzählt wird, sondern sich die Bruchstücke der Erinnerung wie im Wahn verwirren. Schattenhaft sitzen die Sänger und Sängerinnen am Anfang auf ihren Stühlen. Kniend platziert Pé-rez, dabei unterstützt vom Chef des Breslauer Goat Theatre, seine Tänzer und Tänzerinnen. Eine von ihnen, Thamiris Carvalho, interpretiert Prosperos Prolog: lautlos auf schwarzen Socken und ohne vordergründige Virtuosität, während aus dem Off ein einsamer Geigenton erklingt. Wenig später gesellt sich Mathias Theisen hinzu, und wohltuend entschleunigt beginnt eine ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Februar 2023
Rubrik: Kalender, Seite 44
von Hartmut Regitz

Weitere Beiträge
Heiland an der Seine

Es waren sieben stürmische Jahre an der Pariser Opéra. Aber nun soll Normalität einkehren. Endlich. Auf Benjamin Millepieds abrupten Abgang als – very short-lived – Directeur de la danse folgte 2016 Aurélie Dupont, die ihrerseits im Sommer 2022 dem Palais Garnier den Rücken kehrte (tanz 7/22). Beide waren in einen Konflikt mit dem jeweiligen Generaldirektor und den...

Stefano Giannetti «Sacre»

Eigentlich, sagt Stefano Giannetti, wäre er nicht auf die Idee gekommen, Strawinskys «Le Sacre du printemps» zu choreografieren. Zu sehr sei er geprägt von den drei meisterlichen Versionen, in denen er getanzt hat: Bé-jart, Neumeier, Tetley. Dann kamen Corona, das Umweltdebakel und eine persönliche Katastrophe: Mehrere Meter stürzte er von der Bühne in die Tiefe,...

CD, Buch, DVD 2/23

CD des Monats
BALLO PER ORCHESTRA
Ein eigenständiges Ballett hat Georg Friedrich Händel nie komponiert. Aber in seinen Opern, ja selbst in seinen Oratorien, finden sich immer wieder Stücke, die einen aufatmen lassen – schließlich kann beim besten Willen nicht den ganzen Abend über gesungen werden, weswegen immer mal wieder ein Instrumentalsatz für vokale Erholung...