In Schnee
In Luzern regnet es dreihundertmal im Jahr. Das sagt der große Luzerner Sohn, Künstler und Wahrheitsfinder Hans-Peter Litscher. Er sagt die Wahrheit. Es will nicht aufhören mit dem Wolkenbruch bei der Eröffnung des Festival Lucerne. Alles rettet sich unter das riesige Dach: Bäche umfließen schnurgerade das Foyer, das Jean Nouvel zum Vierwaldstätter See hin symbolkräftig öffnete, um das Draußen nach drinnen zu holen, wo auch Joachim Schlömer Naturgewalten imaginiert.
«in schnee» nennt der diesjährige Artiste étoile des Festivals sein «visuelles TanzMusik-Projekt» für sechs Cello-Suiten von Johann Sebastian Bach. Für Schlömer ist die Musik als solche Schnee: eine «permanente Aufschichtung der Töne in obere und untere Schichten».
Er denkt auch an den «Zauberberg» von Thomas Mann. Im «Schnee»-Kapitel lässt sich der lungenkranke Protagonist Hans Castorp allen Warnungen zum Trotz nicht von einem Ausflug abhalten: Prompt setzt ein solches Schneetreiben ein, dem «C.», wie ihn Schlömer im Programmheft nennt, nur entkommt, indem er sich unter das Dach einer Hütte rettet. Dort hat er seine ersten Halluzinationen und tritt, so Schlömer, «in ein rein mentales Reich, in ein Elysium, in dem ihm ...
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