In Nachtgewittern

Marcos Morau inszeniert in Zürich eine Parabel auf den Narzissmus unserer Tage: eine grandiose Show und ein Anti-Kriegsfanal. Gesehen hat es Dorion Weickmann

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Immer wieder erstaunlich, wie der Bühnenraum das menschliche Antlitz verändert, moduliert, sich selbst entfremdet. Da kreuzt ein Mann in kurzen Pluderhosen auf, über und über mit Pailletten bestickt. Sie senden lauter kleine Blitze Richtung Publikum, während der schreiend rote Mund herrisch befiehlt: «Liebe mich!» Der Kopfputz – halb Bischofsmütze, halb royales Diadem – gleißt und glitzert zwar wie ein von Tiffany, Bulgari oder Cartier designtes Luxus-Accessoire.

Aber das Ding thront auf einer schwarz gelackten Coiffure, deren Inhaber an die Filmgöttin schlechthin des Deutschen Reiches brauner Prägung erinnert: Zarah Leander.

Kaum eine halbe Stunde, nachdem Marcos Moraus «Nachtträume» vom Zürcher Premierenpublikum mit stehenden Ovationen überschüttet worden sind, taucht Zarah Leander auf der After-Show-Party auf und sieht sich in Jeans und blauem Pulli so gar nicht mehr ähnlich. Niemand würde vermuten, dass der Bassbariton Ruben Drole in den Glam-Kokon verpuppt war, natürlich eine Maßanfertigung wie all die exquisiten, von Silvia Delagneau entworfenen Kostüme. Kaum hat der gendertechnisch mal hierhin, mal dorthin neigende Conférencier und Chansonnier des Abends die zweite Haut ...

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Tanz 11 2022
Rubrik: Produktionen, Seite 8
von Dorion Weickmann

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