Improkunst
Am 24. August 2021 – knapp zwei Jahre nach Ausbruch der Pandemie – hat das Tao Dance Theater in Peking eine Welturaufführung präsentiert: «11».
Aber wie sieht es überhaupt aus in der chinesischen Theater- und Tanzszene? Aus meiner Wahrnehmung – ich unterrichte nach meiner Promotion in Deutschland mittlerweile an der Bejing Dance Academy – hat die Pandemie Wirtschaft und Kultur in China hauptsächlich in der ersten Jahreshälfte 2020 beeinträchtigt, einige Beschränkungen sind jedoch geblieben: Das Tragen von Mundschutz und eine Temperaturmessung sind Voraussetzung für einen Theaterbesuch, zusätzlich muss man eine «Grüne Karte» auf dem Smartphone vorzeigen. Zudem weist ein «Reise-Code» aus, ob man in den letzten vierzehn Tagen eine Region mit hohem Infektionsgeschehen besucht hat. Als das Infektionsgeschehen im Sommer 2021 auch in Peking wieder kurzzeitig zunahm, wurden viele Aufführungen abgesagt. Inzwischen ist einiges möglich, so auch die Premiere von «11». Das Stück versucht, durch Improvisation aktuelle Stimmungen von Beschränkung und Freiheit auszudrücken. Das spiegelt sich in den Körpern: Die Bewegungen der unteren Körperhälfte sind eingeschränkt und vorgegeben, die der oberen hingegen frei und improvisiert. Dazu erklingen zeitgenössisch elektronische Klänge, was ein junges Publikum ansprechen soll. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Oktober 2021
Rubrik: China, Seite 44
von Cheng Xie
«New/Works» nennt sich der Abend. Allen Uraufführungen zum Trotz hat er etwas von einer Retrospektive. Christian Spuck zum Beispiel schuf als Hauschoreograf des Stuttgarter Balletts viele abendfüllende Erzählballette, bevor er als Chef ans Ballett Zürich wechselte. Hier, in «Cassiopeia’s Garden», gibt er sich weniger handlungsaffin, dafür gedankenschwer. «Was...
München
NEUBAU FÜR DIE KÜNSTE
Der schwere reiter schließt die Tore. Es lebe der schwere reiter II – ein unübersehbarer Neubau. Spundwände aus rohem Eisen, wie man sie von Tiefbauprojekten kennt, um Baugruben gegen Wasser zu schützen, hat das Architekturbüro Mahlknecht Herrle in Rekordzeit zu einem Theaterraum gefügt: ein Drei-Sparten-Haus für die freie Szene. Den...
Grauer Pullover, orangefarbene Müllmannhosen, Käppi und Boots in denselben Farbtönen, eine verspiegelte runde Brille – das Foto zu ihrer Performance «Beyond the Breakwater» zeigt Claire Cunningham sehr cool am gleichnamigen Strand der US-amerikanischen Ostküste. Es ist vor allem die Dynamik ihrer Bewegung, die das Bild so außergewöhnlich macht: Der Körper bildet...
