Besucherin im Korallenriff: «metakimosphere no. 4» von Johannes Birringer, Foto: DAP
Immersion
Du betrittst den großen Ausstellungsraum. Blau-rotes Licht leuchtet auf Stoffe, die Lautsprecher verkleiden. Auf einer Seite steht ein skelettartiges Kugelobjekt mit dünnen blauen Elektrolumineszenz-Fasern, die wie Dendriten leuchten.
Du bewegst dich zwischen den Lautsprechern hindurch, die in dem Stoffwald verteilt sind, und bemerkst die subtil wechselnden Klänge, die durch die Atmosphäre sickern wie Nebel, der sich langsam auf Ästen und Blättern niedersetzt.
Klickende Geräusche, kleine perkussive Laute wie Vogelschreie oder Flüstern des Winds, immer wieder arhythmisches Rauschen, langsam widerhallend.
Du nimmst das Licht wahr, ein schimmernd düsteres Grau, das Filmemacher lieben, wenn sie die Unschärfe der Konturen einfangen wollen. Dort drüben bewegt sich etwas, als wäre eine Gestalt hinter dem Stoff sichtbar geworden. Es war nur das maskierte Gespenst eines Tänzers. Hinten siehst du eine Musikerin, die Gedichte auf einer alten Schreibmaschine tippt. Ihre Finger hämmern auf die Tasten und erzeugen jene Klänge, die durch den Raum driften. Auf der anderen Seite entdeckst du ein treibendes Korallenriff, blaugrüne Unterwasserfarbe – nur eine digitale Projektion. Aber du willst dich ...
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Tanz Jahrbuch 2017
Rubrik: Labore der Zukunft, Seite 74
von Johannes Birringer
«Уважающим себя хореографам следовало бы учитывать, что каждое па – это шаг в будущее. Chorégraphes qui se respectent devraient prendre en considération que chaque pas est un pas dans l’avenir.» Das ist ein Satz, den Serge Diaghilew, laut Boris Kochno, am 17. August 1929, also zwei Tage vor seinem Tod, in Venedig Kochno anvertraut haben soll & den ich, Giselle...
Den Tanz der Zukunft gibt es nur noch im Plural. Es ist ein Tanz der Vielen, und er findet an Orten statt, die Vielheit und Teilhabe garantieren.
Diese Orte werden von Menschen geleitet, denen bewusst ist, dass die Tanzkunst immer vielfältiger und größer ist als sie selbst. Kuratorische Egoismen haben darin keinen Platz mehr.
Der Tanz der Zukunft kommt wieder mehr...
Still und leise, sanft und diskret hat er sich in die internationale Szene vorgearbeitet. Überraschende Eigenschaften, besonders wenn man sich anschaut, was der Portugiese Jahrgang 1986 so auf der Bühne anstellt. Sein Stück «Brother» (2017) beispielsweise kann man auf zwei Ebenen lesen: einmal, oberflächlich und spontan betrachtet, als Patchwork mit Bezügen, die...
