Besucherin im Korallenriff: «metakimosphere no. 4» von Johannes Birringer, Foto: DAP

Immersion

In das Bühnengeschehen eintauchen. Ästhetischer Zugewinn für den Tanz oder nur ein Symptom der Kontrollgesellschaft?

Tanz - Logo

Du betrittst den großen Ausstellungsraum. Blau-rotes Licht leuchtet auf Stoffe, die Lautsprecher verkleiden. Auf einer Seite steht ein skelettartiges Kugelobjekt mit dünnen blauen Elektrolumineszenz-Fasern, die wie Dendriten leuchten.

Du bewegst dich zwischen den Lautsprechern hindurch, die in dem Stoffwald verteilt sind, und bemerkst die subtil wechselnden Klänge, die durch die Atmosphäre sickern wie Nebel, der sich langsam auf Ästen und Blättern niedersetzt.

Klickende Geräusche, kleine perkussive Laute wie Vogelschreie oder Flüstern des Winds, immer wieder arhythmisches Rauschen, langsam widerhallend.

Du nimmst das Licht wahr, ein schimmernd düsteres Grau, das Filmemacher lieben, wenn sie die Unschärfe der Konturen einfangen wollen. Dort drüben bewegt sich etwas, als wäre eine Gestalt hinter dem Stoff sichtbar geworden. Es war nur das maskierte Gespenst eines Tänzers. Hinten siehst du eine Musikerin, die Gedichte auf einer alten Schreibmaschine tippt. Ihre Finger hämmern auf die Tasten und erzeugen jene Klänge, die durch den Raum driften. Auf der anderen Seite entdeckst du ein treibendes Korallenriff, blaugrüne Unterwasserfarbe – nur eine digitale Projektion. Aber du willst dich ...

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Tanz Jahrbuch 2017
Rubrik: Labore der Zukunft, Seite 74
von Johannes Birringer

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