Im Vorbeigehen

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Im Vorbeigehen huscht der Blick in den Laden. Ein paar Schritte weiter, dann Kehrtwende. Erst jetzt kommt im Hirn an, was zu sehen ist: goldene Püppchen, lebensgroß, an denen Kleidchen kleben, Size XXS. Es mag sein, dass die Modeindustrie weiter ist und von Zeit zu Zeit mit anderen Körperimages wirbt. Aber zumindest im Flughafen-Store eines Strumpfhosen-Herstellers, der inzwischen alles Mögliche fabriziert – Bodys, Leggings, Dessous aller Art – sind Fräuleinkörper, deren Maße eine Audrey Hepburn als Adipositas-Fall ausweisen würden, noch die Regel.

Wie krank ist das?

So krank wie das Ergebnis der einen oder anderen Ballettausbildung. Es gibt keine Zahlen, keine Erhebungen. Aber was einem – unter dem Siegel der Verschwiegenheit – mit scheußlicher Regelmäßigkeit anvertraut wird, spricht Bände: Anorexie, Bulimie, Krankenhausaufenthalte, Verzweiflung bis an den suizidalen Abgrund. Vom Nachwuchs einer großen Kompanie wird berichtet, dass alle Neuzugänge Essstörungen haben. Vorbei die Zeit, da es sich unbekümmert in Ballettaufführung XY sitzen ließ. Im Hinterkopf läuft ein Gedanke mit: Schön anzuschauen, aber was ist wohl auf dem Weg dahin passiert?

Die Pubertät ist oft die ...

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Tanz 12 2022
Rubrik: Editorial, Seite 1
von

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