Im Spiegel der Zuschauer
Tanzschaffende sehen sich gerne als diejenigen Kunstakteure, die am intensivsten inter- und transdisziplinär arbeiten. Sie versprechen die Überwindung von Genregrenzen und wollen darüber hinaus Modelle für trans- oder postnationale Gesellschaften vorstellen. Programmverantwortliche und Kuratoren wittern im Tanz daneben die Chance, eine Symbiose von U- und E-, von Premium- und Popkultur zu schaffen. Tanz erscheint idealerweise als «Kultur für alle», die sich über Milieus, Sprachen, Kulturen und Staaten hinweg erfahren und erschließen lasse.
Aber stimmt das mit den Haltungen und Erwartungen des Tanzpublikums überein?
Aus den Studien des von mir geleiteten Zentrums für Audience Development in Berlin ergeben sich für die Tanzsparten an deutschen Bühnen zunächst einmal folgende Eckpunkte: Das Tanzpublikum ist jünger als in allen anderen Sparten – vom Kinder- und Jugendtheater mal abgesehen –, und es weist den größten Anteil weiblicher Besucher auf. Ähnlich hoch wie unter Durchschnittsbesuchern ist der Anteil von Akademikern.
Markant sind indes die Erwartungen der Tanzgänger an das, was sie zu sehen bekommen. Stärker als beim Theaterpublikum sind sie geprägt vom Wunsch nach hoher ...
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Schwer vorzustellen, dass eine Mary Wigman einst ihrem ersten «Totentanz» ausgerechnet Orchestermusik von Camille Saint-Saëns unterlegt hat. Irgendwie passt das nicht zusammen, wiewohl der französische Komponist seine «Danse macabre» so suggestiv in Töne gesetzt hat, dass dabei nicht nur die Knochen klappern. Im Grunde ist sein Opus 40 ein klassisches...
Wer ein Buch mit dem Titel «Rudolf Nurejew. Die Biographie» versieht, erweckt den Anschein, Werden und Wirken des Startänzers mehr oder weniger umfassend geklärt zu haben. Sonst stünde da schließlich eine bescheidenere Formulierung, etwa «Eine Biografie». In Nurejews Fall liegen bereits etliche als «Die Biographie» annoncierte Lebenspanoramen vor, nun packt Jan...
Léon Bakst
Ein Blick, und man wird diese Szenerie nie wieder vergessen. Das gilt für viele Bühnenbilder und Kostüme, die Léon Bakst (1866 – 1924) für die Ballets russes entworfen hat. Ob «Shéhérazade», «Le Spectre de la rose» oder «L‘après-midi d‘un faune» – der Maler verstand es, jedes Sujet mit einer unverwechselbaren Ikonografie aufzuladen. So trug er mannigfach...
