Im Spiegel der Zuschauer
Tanzschaffende sehen sich gerne als diejenigen Kunstakteure, die am intensivsten inter- und transdisziplinär arbeiten. Sie versprechen die Überwindung von Genregrenzen und wollen darüber hinaus Modelle für trans- oder postnationale Gesellschaften vorstellen. Programmverantwortliche und Kuratoren wittern im Tanz daneben die Chance, eine Symbiose von U- und E-, von Premium- und Popkultur zu schaffen. Tanz erscheint idealerweise als «Kultur für alle», die sich über Milieus, Sprachen, Kulturen und Staaten hinweg erfahren und erschließen lasse.
Aber stimmt das mit den Haltungen und Erwartungen des Tanzpublikums überein?
Aus den Studien des von mir geleiteten Zentrums für Audience Development in Berlin ergeben sich für die Tanzsparten an deutschen Bühnen zunächst einmal folgende Eckpunkte: Das Tanzpublikum ist jünger als in allen anderen Sparten – vom Kinder- und Jugendtheater mal abgesehen –, und es weist den größten Anteil weiblicher Besucher auf. Ähnlich hoch wie unter Durchschnittsbesuchern ist der Anteil von Akademikern.
Markant sind indes die Erwartungen der Tanzgänger an das, was sie zu sehen bekommen. Stärker als beim Theaterpublikum sind sie geprägt vom Wunsch nach hoher ...
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«The Red Shoes» (1948) des Filmemacher-Duos Michael Powell und Emeric Pressburger gilt noch immer als der wirkungsvollste Tanzfilm aller Zeiten. Generationen von jungen Leuten hat er dazu bewegt, eine Ballettkarriere anzustreben. Inzwischen besitzt der Film freilich auch dokumentarische Qualität, gewährt er doch Einblicke nicht nur in die leicht schäbigen...
Für Margaretha Geertruida Zelle, geboren 1876, standrechtlich erschossen 1917, haben sich die niederländischen Kreativen nach ihrem Tod nicht sonderlich interessiert, obwohl sie eine der Ihren war. Jetzt aber hat Het Nationale Ballet (tanz 4/16) am Mythos der Schönheitstänzerin und angeblichen Spionin, die unter dem Künstlernamen Mata Hari weltberühmt wurde, doch...
Schule, Beruf, Altersheim: Überall fügen wir uns brav in die Masse und gehorchen dem Herdentrieb. Vom lebenslangen Konformismus und den kleinen Fluchten daraus handelt dieses heitere, sehr menschliche Tanzstück, dessen Titel man mit «Cupido ist’s egal» übersetzen würde.
Ivan Cavallari, noch Direktor des Ballet du Rhin, hat einen Choreografen aus der Off-Szene...
