Colmar
Schule, Beruf, Altersheim: Überall fügen wir uns brav in die Masse und gehorchen dem Herdentrieb. Vom lebenslangen Konformismus und den kleinen Fluchten daraus handelt dieses heitere, sehr menschliche Tanzstück, dessen Titel man mit «Cupido ist’s egal» übersetzen würde.
Ivan Cavallari, noch Direktor des Ballet du Rhin, hat einen Choreografen aus der Off-Szene eingeladen, mit 30 Leuten zu arbeiten – genau die Masse macht Étienne Béchard nun zum Thema.
Der ehemalige Béjart-Tänzer und Chef der kleinen Brüssler Kompanie Opinion Publique zeigt weder literarische Helden noch abstrakte Gliederzerdehner, sondern das Durchschnittsvolk: Schüler, Bürokollegen, Alte. Er beobachtet eine Gruppe Menschen durch drei Lebensalter, lässt sie in Schuluniformen, Business-Anzügen und Flügelhemden ihre Ambitionen austesten, Rangeleien bestreiten und dann doch brav dem vorgegebenen Muster nachtrotten. Aber stets gibt es ein Paar, das ausbricht und das Unerwartete tut – manchmal driftet der Abend zwar Richtung französische Sommerkomödie, aber er kombiniert diese Zugänglichkeit mit einem choreografischen Vokabular, das Béchard gewandt einsetzt, um Form und Inhalt zu verbinden.
In Struktur, Ausstattung und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Zwei fiktive Briefe, in der gleichen Nacht verfasst, aber unabhängig voneinander geschrieben. Im einen lässt Mata Hari Stunden vor ihrem Tod noch einmal ihr Leben Revue passieren, eine Tänzerin, so Paulo Coelho, die «erst unter dem Namen bekannt war, den ihre Eltern ausgewählt hatten ..., dann gezwungen war, ihren Ehenamen zu tragen ... und schließlich von den...
Längst ist es aus mit der Illusion von Ballett-Fluffigkeit für Noé Soulier. Das Stück hat noch gar nicht richtig angefangen, da ist dieser «fait», dieser Fakt schon mal klar. Die Tänzer seines neuen Stücks «Faits et Gestes» kommen bei der Uraufführung im PACT Zollverein Essen mit einem extra langen Auftritts-Marsch von hinten durch den Zuschauerraum auf die Bühne....
Schwer vorzustellen, dass eine Mary Wigman einst ihrem ersten «Totentanz» ausgerechnet Orchestermusik von Camille Saint-Saëns unterlegt hat. Irgendwie passt das nicht zusammen, wiewohl der französische Komponist seine «Danse macabre» so suggestiv in Töne gesetzt hat, dass dabei nicht nur die Knochen klappern. Im Grunde ist sein Opus 40 ein klassisches...
