Colmar

Étienne Béchard «Cupidon s‘en fout»

Tanz - Logo

Schule, Beruf, Altersheim: Überall fügen wir uns brav in die Masse und gehorchen dem Herdentrieb. Vom lebenslangen Konformismus und den kleinen Fluchten daraus handelt dieses heitere, sehr menschliche Tanzstück, dessen Titel man mit «Cupido ist’s egal» übersetzen würde.

Ivan Cavallari, noch Direktor des Ballet du Rhin, hat einen Choreografen aus der Off-Szene eingeladen, mit 30 Leuten zu arbeiten – genau die Masse macht Étienne Béchard nun zum Thema.

Der ehemalige Béjart-Tänzer und Chef der kleinen Brüssler Kompanie Opinion Publique zeigt weder literarische Helden noch abstrakte Gliederzerdehner, sondern das Durchschnittsvolk: Schüler, Bürokollegen, Alte. Er beobachtet eine Gruppe Menschen durch drei Lebensalter, lässt sie in Schuluniformen, Business-Anzügen und Flügelhemden ihre Ambitionen austesten, Rangeleien bestreiten und dann doch brav dem vorgegebenen Muster nachtrotten. Aber stets gibt es ein Paar, das ausbricht und das Unerwartete tut – manchmal driftet der Abend zwar Richtung französische Sommerkomödie, aber er kombiniert diese Zugänglichkeit mit einem choreografischen Vokabular, das Béchard gewandt einsetzt, um Form und Inhalt zu verbinden.

In Struktur, Ausstattung und ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

tanz_02_2017

Tanz Februar 2017
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 44
von Angela Reinhardt

Vergriffen
Weitere Beiträge
Mohammad Abbasi

Mohammad Abbasi, Sie haben 2010 das Invisible Center of Contemporary Dance ins Leben gerufen. Wie kann man unsichtbar bleiben, wenn man vor Publikum auftritt? Wir veröffentlichen nichts online. Im Iran kann man tun, was man möchte, solange man für die Medien unsichtbar bleibt. Die iranischen Botschaften werten vor allem Medien aus, die eine große Reichweite haben,...

Leverkusen

Als Tänzer tritt er heute nur noch wohldosiert in Erscheinung. Der Bühne bleibt er dennoch treu. Mikhail Baryshnikov widmet seine beeindruckende Erfahrung als Performer inzwischen vornehmlich anderen Projekten – aktuell zu Ehren seines Freundes, des exilierten russischen Dichters Joseph Brodsky, der 1996 verstarb.

Für die Produktion «Brodsky/Baryshnikov», in Szene...

Clip des Monats

Choreographic captures sind ganz kurze, nur einminütige Clips, die schon zum achten Mal in 60 ausgewählten Kinos im Vorprogramm den Appetit auf Tanz anregen sollen. Joint Adventures in München und Fête de la Danse in Genf haben dieses Jahr fünf Gewinner ermittelt. Der erste Preis geht an Manon Siv Duquesnay und Pere Joseph Vilaplana, ein Paar, das in «Xiuxiuejar»...