Im Gebirge

Georg Reischl lässt das Ensemble des Münchner Gärtnerplatztheaters zum «Höhenrausch» antreten. Doch die tanzalpine Herausforderung bleibt gemäßigt, meint Eva-Elisabeth Fischer

Tanz - Logo

Hat hier, was Bert Brecht einst beim Theaterpublikum sauer aufstieß, irgendjemand romantisch geglotzt? Im Zweifelsfall nicht. Denn für selige Verträumtheit war die klangliche Wucht des Blechs aus dem Orchestergraben im Gärtnerplatztheater doch zu massiv. Nun aber trägt Bruckners 4. Sinfonie ja den Beinamen «Die Romantische», was allen Bläserballungen samt Crescendi zum Trotz den Kern des Werkes unbedingt trifft.

Dies vor allem wegen der wogenden Streicherteppiche im dritten Satz (ja, das ist das Jagdhorn-Scherzo samt Trompeten über den voluptuös wogenden Violinen, welches fast jeder mitsingen könnte). Seliges Schwelgen liegt Dirigent Michael Brandstätter offenbar wenig. Er fordert von den einzelnen Instrumentengruppen nicht nur deutlichste Artikulation bei durchgehend gehöriger Lautstärke. Die wäre in dem Maße im kleinen Gärtnerplatztheater, das ganz von allein einen kompakten Klang befördert, gar nicht nötig gewesen, zumal da die üppigen Crescendi per se schon ausreichten für prächtigste Klangentfaltung.

Solch heftigem akustischem Überwältigungstheater müssen Choreograf Georg Reischl samt seinen 18 Tänzerinnen und Tänzern ganz schön was entgegensetzen. Die Alpenszenerie unten im ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Juli 2023
Rubrik: Produktionen, Seite 8
von Eva-Elisabeth Fischer

Weitere Beiträge
Artwork

Ein Theater plant eine Produktion. Das heißt: Erst einmal wird ein Dispositionsplan erstellt, dann werden Räume belegt, die technischen und künstlerischen Anforderungen wollen eingerechnet werden … Und meist gerät die Planung hier ins Schleudern, beschreibt Miriam Seixas die typischen Probleme. Seixas hat für das Hamburger Ausstellungshaus Deichtorhallen gemeinsam...

Auf Los

Johannes Wieland, was machen Sie gerade? 
Eigentlich mache ich genau das gleiche, was ich die letzten 40 Jahre gemacht habe – ich mache Stücke, jetzt freiberuflich, und ich kuratiere das Tanzfestival «b12» in Berlin. Bevor ich 2006 Tanzdirektor am Staatstheater Kassel wurde, habe ich ja auch freiberuflich gearbeitet, und auch in Kassel hatte ich mir vertraglich...

Moritz Ostruschnjak «Rabbit Hole»

Die Muffathalle ist voll, die Erwartungen sind groß: Auf dem Programm steht zur Festivaleröffnung der Tanzbiennale «DANCE» in München – der sechsten und damit letzten Ausgabe unter der Leitung von Nina Hümpel – ein neuer Ostruschnjak. Seit nunmehr zehn Jahren in München, hat sich der ehemalige Breakdancer Moritz Ostruschnjak, ein gesellschaftskritischer Kopf und in...