Gewalt
Das Buch «Shielding» behandelt aktuelle Themen, von den Geiseln im Gazastreifen bis zu den Protesten gegen die Abholzung im Hambacher Forst. Schon der Titel «Shielding», «Abschirmen», ist zeitgeistig. Warum entstand dieses Buch an einer Tanzuniversität?
Sandra Noeth: Wir betreiben hier am Hochschulübergreifenden Zentrum Tanz in Berlin eine körperbasierte Forschung, in der es um den Körper im Tanz, in den Künsten geht.
Und natürlich fragen wir auch: Welche Ideologien und Ideen sind mit diesen Körpern verknüpft? Nicht nur im Tanz, ebenso in Politik und Gesellschaft.
Janez Janša: Der Tanz hat sich in den letzten dreißig Jahren sehr verändert. Er ist mehr denn je in die Gesellschaft eingebettet. Tanzende stehen nicht mehr am Rand, sondern sehen ihre Kunst als eine zentrale Disziplin, mit der sie ihr Wissen über den Körper kritisch und selbstbewusst entwickeln.
Sandra Umathum: Darauf zielt «Shielding» ab: auf das Bewusstsein, dass wir alle vor allem Körper sind …
… verletzliche Körper, die sich gegen Viren und andere Eindringlinge wehren, gegen Soldaten oder gegen Fliehende, gegen alles, was gerade den politischen Tenor bestimmt.
Janša: Eben. Darum kommen Menschen zusammen und ...
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Tanz März 2025
Rubrik: Praxis, Seite 60
von Arnd Wesemann
«Wer von Euch hat eine Sri Lankerin?», fragt Venuri Perera. «Wer hat eine Philippina?», setzt Eisa Jocson nach. Neugierig lassen sie ihre Blicke durch das Publikum streifen, das starrt erschrocken zurück, bestand es doch bislang aus geschützten Beobachter*innen. Und konnte in aller Ruhe den beiden Tänzerinnen zuschauen, wie sie, in schwarzen Fracks und...
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FRANÇOIS CHAIGNAUD
Dem französischen Choreografen François Chaignaud ist nichts Menschliches fremd. Auf der Tanzbühne hat er bereits mit Glasdildos in situ hantiert. Diesmal lässt er seine Tänzer – mal schräg, mal sexy trikotverhüllt und die Haare unter eng anliegenden Kappen verborgen – mit Bällen, aufgeblasenen Plastikpälmchen und einem Luft furzenden...
Seit Lotte de Beers Übernahme der Wiener Volksoper im Herbst 2022 kommt es zu Projekten, die auf dem Papier interessant klingen, in der Umsetzung aber dramaturgisch heikel sind. Will heißen: Der Tanz wird bemüht, ist aber nicht Anlass oder Auslöser der Produktion. So geschehen mit der Tschaikowsky-Oper «Jolanthe», welche Regisseurin de Beer mit Teilen aus dem...
