I will survive
Einmal hatte Marco Berrettini richtig Pech. Er arbeitete an einer Inszenierung in Paris, an einem dieser Theater mit vielen verwinkelten Korridoren und Räumen, die nur nach Eingabe eines Codes am Türöffner betretbar sind. Ein sicherer Ort, um dort sein technisches Equipment zu verwahren. Sollte man meinen. Und doch war plötzlich alles weg: Computer und vor allem Festplatten geklaut – alle Aufzeichnungen des choreografischen Lebenswerks von Marco Berrettini.
Die Täter, die auf der Flucht noch einen Techniker mit dem Messer verletzten, waren über das Parkhaus im Keller ins Theater eingedrungen. Im Tiefgeschoss fand die Polizei Vorhangstoffe, die der Bühne fehlten und von den Dieben offenbar als Schlafsäcke genutzt worden waren.
Erst Tanz- und Anstandsschule, dann Disco-Dance-Turnier
Der Verlust all seiner Aufzeichnungen, sagt Marco Berrettini, habe ihn «sehr traumatisiert». Heute sei er, setzt er scherzend hinzu, verloren für die Nachwelt. Wie sich noch in Tanzarchiven verewigen? Er kann. Er muss sich dazu nur wiederholen. Und das tut er mit Verve. Seine frühe Arbeit, «Sorry, do the tour», 2001 uraufgeführt in Hamburg auf Kampnagel, erfuhr 2021 im Théâtre Arsenic in Lausanne ein ...
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Tanz 4 2023
Rubrik: Menschen, Seite 18
von Arnd Wesemann
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