Human Writes

William Forsythe erfindet in Zürich eine Tanzschrift für die Menschenrechte und macht sich dabei die Füße schmutzig. «Human Writes» sah Martina Wohlthat

Tanz - Logo

Das rechte Ohrläppchen des Choreografen ist pechschwarz. Seine Füße sehen aus, als wären sie ausdauernd über eine Kohlenhalde spaziert. Eine Frau aus dem Publikum trägt mit Forsythe einen seltsamen Ringkampf aus. Sie soll seine windmühlenartig kreisenden Arme gegen einen unsichtbaren Widerstand auf den Tisch lenken, damit Forsythe mit einem Kohlestück den Buchstaben «R» aus «freedom» oder «right» aufs Papier bringen kann. Ob gerade «Recht» oder«Freiheit» geschrieben wird, ist im Moment egal. Vorläufig setzt es nur schwungvolle Hiebe auf das den Tisch bedeckende Papier.


Unter dem Tisch sieht es aus wie in einem Kohlenkeller. Und auch die Helferin ist vom Ringen um den Buchstaben im Gesicht schon leicht geschwärzt. Vielleicht lässt sich das «R» doch besser mit dem Rücken schreiben? Wie ein Aal windet sich Forsythe auf der Tischplatte, verwischt mit dem Rücken die gerade mühevoll erkämpften schwarzen Striche. Ein zäher Kampf ist dieser Schreib-Tanz-Akt. Sisyphos ist in der Schiffbau-Halle in Zürich unter die Tänzer und Menschenrechts-Skribenten gegangen. Sisyphos muss dabei in der dem Zürcher Schauspielhaus als Spielstätte fürs Spektakuläre dienenden Riesenhalle gar keinen Felsblock ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Dezember 2005
Rubrik: Tanz-Kunst, Seite 60
von Martina Wohlthat

Vergriffen
Weitere Beiträge
Celebrities

Ruth Lilly ist eine Pharmazie-Erbin aus Amerika, die es wissen wollte: Sind die «Creative Industries» wirklich nur etwas, das man bezuschussen muss? Und beauftragte Randy Cohen mit einer Aufsehen erregen­den Studie: Während die US-Wirt­schaft 2005 nur um 3,83 Prozent wuchs, stiegen die Umsätze der Künste um 5,5 Prozent. 0,8 Prozent des Personals wurde im...

Sergej Goran Pristas

What kind of institutions do we need for new artistic practices? One thing seems certain, we do need institutions. In Zagreb we will have a new dance center soon; there are others in Tallinn, Ljubljana, possibly in Bucharest and Belgrade ...
But what is the relational character of all these smaller and bigger institutions which are trying to communicate the...

Geschwätzige Beine

Dass der Leib das Sprachorgan der Seele ist, wissen wir. Ein ganz körperliches Kommunikationssystem, das weit über die Gebärdensprache hinausgeht, hat nun Rodolpho Leoni ersonnen. Als es noch im ­Kon­zept steckte und den Arbeitstitel «Plan­­sprache» trug, brachte es ihm den Deutschen Produzentenpreis für Choreografie. Zur Uraufführung im Düsseldorfer tanzhaus nrw...