Hugo Viera «Fado = Schicksal»
Das warme, herzliche Gefühl ist immer banal und unbrauchbar. Das sagt Thomas Manns Tonio Kröger über das künstlerische Schaffen. Er schließt: Einzig «die Gereiztheiten und kalten Ekstasen unseres verdorbenen, unseres artistischen Nervensystems» seien der rechte Ausgangspunkt für die Kunst. Hugo Viera hat sich daran versucht. Die Situation zwischen Mutter und Sohn sei etwas Besonderes, sagt er im Gespräch, den Vater erinnere er als böse.
Diese Konstellation stellt er in «Fado = Schicksal» auf die Geraer Bühne und begibt sich nebenher noch, so der Untertitel, «auf die Suche nach der portugiesischen Seele». Gewissermaßen doppelte Selbsttherapie: Viel hat der portugiesische Tänzer vormals in Braunschweig und Karlsruhe mit seinem ersten abendfüllenden Ballett gewollt; zumal ihm eine fulminante Tango-Studie ebenfalls fürs ThüringenBallett vorausging.
Annonciert hatte er eine Produktion über das Leben von Freddie Mercury, die nun verschoben ist. Lieber wolle er, sagt Viera, etwas Persönliches schaffen, etwas, das ihn betrifft. Dazu bedarf es inneren Abstands und, im Sinn von Thomas Mann, eines kühlen Kopfes. Dass dem jungen Choreografen lediglich dreieinhalb Probenwochen zur Verfügung ...
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