Hoffnungsträger: Reut Shemesh

16 Tanzakteure mit den besten Aussichten

Tanz - Logo

Da hat eine ihr Thema gefunden. Da bohrt sich eine Choreografin unerbittlich zu den Tiefenschichten ihres Bewusstseins durch, spürt ihren Traumata nach oder auch nur den leichten Irritationen, die unterhalb der Wahrnehmungsschwelle für Unbehagen in ihrem Leben sorgen. Reut Shemesh, 1982 in Tel Aviv geboren und aufgewachsen in einer Familie, in der die eine Hälfte sie säkular erzog, die andere aber orthodox – zwei kaum vereinbare Lebensweisen. Als Shemesh 18 Jahre alt ist, folgt die Indoktrination durch den Staat: Wehrpflicht bei der israelischen Armee.

Eine Zeit, die die heute in Köln lebende Choreografin vergessen wollte, die ihre Seele aber nicht aus ihren Klauen ließ. So entstand 2015 ihr Stück «Leviah». Ein Stück über Israel, Gewalt, beschädigte Weiblichkeit – über eine verwundete «Löwin»: Shemeshs choreografischer Durchbruch. 

Seitdem hat sie sich in weiteren Arbeiten mit den Besonderheiten ihrer Heimat und der Rolle der Frau dort befasst. Nicht als «Nestbeschmutzerin», das wäre ihr viel zu simpel. Sondern als erinnernde Emigrantin mit wissend-fremdem Blick. Und ein bisschen als Ethnologin, die nach strukturellen Gründen für eigene emotionale Überforderungen forscht. Eine ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Jahrbuch 2019
Rubrik: Hoffnungsträger, Seite 174
von Nicole Strecker

Weitere Beiträge
Rituale: Ksenia Ovsyanick

Einen konkreten Talisman oder Glücksbringer, so was habe ich eigentlich nicht. Ich knüpfe den Erfolg meiner Vorstellungen nicht so gerne an etwas Äußerliches, denn letztlich kann nur ich selbst meine Auftritte steuern.

Aber eine persönliche Routine vor jedem Vorstellungsbeginn habe ich schon. Die letzten beiden Stunden vor dem Auftritt sind mir sozusagen heilig....

Begehren

Der Kleider- und Mode-Fetischismus der Gegenwart, er wurzelt nicht zuletzt: im Mittelalter. Damals wurde die Pracht von Gewändern ein Medium der Repräsentation für geistliche und weltliche Eliten – was sich an Gemälden nachvollziehen lässt. Denn im 15. Jahrhundert erlangte die Malerei die Fähigkeit, die textile Stofflichkeit im Malraum zu vergegenwärtigen. Das...

Das Tattoo

Tattoos erzählen eine Geschichte, zeigen ein Gefühl oder sind kodierte Botschaft – eine Einschreibung mit magischen Kräften. In unserer selbstbezogenen Gesellschaft ist das Tattoo vielleicht die Vollendung des Fetischs: «o feitiço», der Zauber, ist mit dem eigenen Körper vereint, gehört zur Identität seines Trägers. 

Tattoos auf Tänzerkörpern zu zeigen, ist die...