Höllisch

Die «Göttliche Komödie» von Romeo Castellucci – das war der Triumph von Avignon. Eine Trilogie randvoll mit Provokation. Am meisten erregte die Gemüter die Choreografie. Cindy van Acker hat sie verantwortet.

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Die Spannung steigt. Welcher Fernseher wird als nächstes fallen? Zehn Meter stürzen sie in die Tiefe, auf den Boden der Bühne im Palais des Papes von Avignon. Sie zerschellen mit dumpfem Knall. Auf jedem Bildschirm stand ein Buchstabe des Worts «ETOILES» – Sterne. Später rollt ein verkohltes Autowrack auf die Bühne. Dann verbrennt ein Konzertflügel. Zum Schluss ragen hundert Füße aus den Katakomben. Aber vorher wurde noch schnell ein Schimmel in rotem Farbdampf umgetönt. Romeo Castellucci ist kein Bilderstürmer.

Dafür erstürmt er den Papstpalast und Dantes «Göttliche Komödie» zugleich. Im Stil eines Judoka hebelt er die alten Gemäuer von Avignon aus. Es gibt noch andere Bilder in diesem «Inferno», die man garantiert nicht vergisst. Da ist der Free Climber, der, nur mit schwarzem Slip bekleidet, über kleinste Mauervorsprünge sich immer höher zieht. Hoch über unseren Köpfen verschwindet er hinter den Zinnen. Dann taucht er wieder auf und wirft einen Basketball in die Tiefe. Der Aufprall erzeugt das Klirren zerberstender Glasscheiben. Castellucci verlangte dazu von seinem Komponisten und Klangdesigner Scott Gibbons aus Chicago eine Präzision, wie sie sonst nur Bob Wilson zelebriert.

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Tanz Oktober 2008
Rubrik: Tanzkunst, Seite 56
von Thomas Hahn

Vergriffen
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