Hlín Hjálmarsdóttir «Riptide»
Wie ein Fanal hängen die Trümmer einer explodierten Welt über der Szene: Das apokalyptische Bühnenbild von Martin Bergström prägt «Riptide», eine als Film entstandene Uraufführung der bis dato relativ unbekannten Isländerin Hlín Hjálmarsdóttir. Frei und fließend, gar nicht mit der grotesken und erdgebundenen Tönung vieler nordischen Choreografen, zeigt sie in einer Umgebung aus unheimlichen Schatten und tief-düsteren Lichtschächten das Phänomen der sozialen Ausgrenzung.
Ein wenig erinnert die Konstellation mit einer einzelnen Ausgestoßenen, einem Paar und dem anonymen Kollektiv an «Le Sacredu printemps», die gefährliche «Springflut» aus dem Titel dräut allerdings eher optisch und mit der düsteren Musik als in der suchenden, immer wieder von starken Bildern durchsetzten Choreografie. Da reiten die Frauen kalt und stolz auf den Männern dahin, Partner gleiten in gefrorene Umarmungen hinein und fallen wieder hinaus, während im Hintergrund die Menge lauert. Die ruhige Kameraführung intensiviert die angstvolle Atmosphäre, die sehr unterschiedlichen Tänzer von Ballettchef Nicolas Le Riche zeigen Persönlichkeit und einen stillen, entschlossenen Nachdruck.
Bis 21. August; www.operanplay.se
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Tanz August/September 2021
Rubrik: Kalender, Seite 34
von Angela Reinhardt
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