Hillel Kogan «Thisispain»

Draguignan

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Ist der Flamenco spanisch? Was ist typisch europäisch, typisch israelisch? Und überhaupt – warum hat die Flamenco-Tänzerin Mijal Natan, Wohnsitz Jerusalem, einen deutschen Pass? All diese Fragen tauchen im Lauf des einstündigen Abends auf, den der Tänzerchoreograf Hillel Kogan im Rahmen der «Dance Exposure 2024» des Suzanne Dellal Centre in Tel Aviv gezeigt hat.

Die traditionsreiche, jeweils im Dezember stattfindende Leistungsschau des israelischen Tanzes, fand für die ausländischen Teilnehmer*innen online statt – unter den obwaltenden Umständen die derzeit einzige Möglichkeit, die nach wie vor vibrierende Szene des Landes für alle Welt sichtbar zu machen.

Kogans «thisispain», Ende 2022 entstanden, spielt schon im Titel mit dem Begriff, der in roten Versalien an der Hinterwand geschrieben steht: «Pain». Schließlich geht es dem Tandem Kogan & Natan gerade nicht um irgendeine Hispaniola-Legende, sondern um die vielfältigen Formen von Schmerz, Trauer und Verlust. Großartige Performer*innen, die beide sind, imprägniert Melancholie ihre virtuosen Zapateados. Kogan, studierter Balletttänzer, erlernte die Kunst des Auftritts im klickklackernden Schuhwerk während der Ausbildung. Dagegen hat sich Mijal Natan, wie sie in einem ihrer zahlreichen Dialoge erzählt, «einfach in den Tanz verliebt».

Flamenco und Sprache firmieren als Außenhaut einer Aufführung, deren Herz im Takt multipler Identitäten schlägt. Erstaunlich, mit wie viel Humor, mit wie viel selbstironischer und durchaus kritischer Haltung das Duo sich dabei aus dem Provokationsfenster lehnt. Spanien? Das Land der doppelten Ausrufezeichen: «¡Macho!» malt Kogan in die Luft. Kubismus? «Hat die Schönheit zerstört». Katalanisch, andalusisch, «gipsy» «what the hell do I care?» Warum all die Teilungen, Separatismen – leben die Menschen nicht unter gemeinsamen Dächern besser, sicherer und mit mehr Wohlstand gesegnet? Der einzige Profiteur aller Konflikte und Abspaltungen ist: «die Waffenindustrie». Spätestens an diesem Punkt ist klar: Es geht hier einerseits explizit, andererseits durch die Hintertür um die Verwerfungen der Gegenwart, um das Zusammenleben von «Christen, Muslimen, Juden». Die israelische Heimat? Dauerhafte Kriegszone. Rette sich, wer kann. Also kontaktet Kogan in einer hochnotkomischen Szene – herausragendes Stand-Up – die Botschaften Moldawiens, Rumäniens und Spaniens, um zu eruieren, wie er in den Ländern seiner Eltern und Großeltern an die jeweilige Staatsbürgerschaft kommen kann. Während Mijal Natan eben einen deutschen Pass besitzt. Weil ihr Großvater vor den Nazis fliehen musste.

Auf der sprachlichen Ebene ist «thisispain» ein hochpolitisches Stück, den traumwandlerischen Tanz regiert ein machtvoller Widerspruchsgeist. Kleines, ganz großes Theater!

Wieder in Frankreich in Draguignan, 5. April; Suresnes, 8. April; Poitiers, 10., 11. April; Yverdon-les-Bains, 9. Mai; www.hillelkogan.com sowie in Ludwigshafen, Theater im Pfalzbau, 14. Mai; www.theater-im-pfalzbau.de


Tanz April 2025
Rubrik: Kalender, Seite 42
von Dorion Weickmann

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