Herz ist Ballerina
Im Harz, da, wo der Doppelkorn herkommt, steht das Kunsthaus Meyenburg. Hier hängen sechs Originale des katalanischen Malers Joan Miró, ausgestellt zu Ehren von Deutschlands jüngster Ballettdirektorin. Die 34-jährige Jutta Wörne faszinieren Miró und die Rätsel des Surrealismus. Mirós Bild «Danseuse» etwa zeigt eine Kugel mit dünner Linie und stilisierten Noten, wobei «Noten» schon zu viel gesagt ist, und die Kugel als den «Kopf» der Tänzerin zu bezeichnen, reine Spekulation wäre. Der Titel bedeutet. Nicht das Bild. Wie auch ein Tanzschritt an sich kein Zeichen ist.
Darum gehört bei Miró der Titel zum Kunstwerk – durch ihn sucht der Betrachter in einem Bild wie «Hund, den Mond anbellend» von 1926 den Mond und den Hund, obwohl nur heftig Mirós kompositorische Schlichtheit zu bewundern ist.
Dasselbe kann für den Tanz gelten. Mario Kofend lässt viel Licht ins Publikum, damit wir lesen können: Wer was ist und worum es geht. Der Programmzettel sagt, die souveräne Ballerina Kei Onishi sei «das Herz». Aber das Zeichen ist, in surrealistischer Tradition, verschoben. Das Herz, um das sich laut Libretto ein «Springteufel» und ein «Schwarzer Punkt» bemühen, sind zahlreiche Bälle, auf denen ...
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Kein Wunder, dass die Schwäne heute Trauer tragen und dass ihnen auch nicht nach Spitzentanz zumute ist. Der Berner «Schwanensee» zeigt die stolzen Vögel mit zitternden Beinen und zuckenden, nackten Füßen. Weiße Tutus rahmen weibliche und männliche Schwanenhüften gleichermaßen, die Federn haften jedem am Kopf, als wären sie Indianern abgetrotzt, und auch mit...
As the church clock strikes six in Charlottenburg, the sidewalk in front of the Deutsche Oper Berlin is briefly overrun with opera-goers: heels clicking, overcoats billowing, tickets for “Tannhäuser“ in hand. At the rear of the opera house, in what looks like the building‘s poorer cousin, another scene is gathering. Kids in baggy clothing and sneakers mill around...
Die Kunst des Malers wie des Bühnenbildners bestehe darin, das Licht auf den Körpern und Dingen optimal einzufangen, war die Überzeugung von Jean-Paul Vroom. Er war Maler von Beruf und aus Leidenschaft. Als Bühnenbildner wurde er weltberühmt. Von 1970 bis 1984 entwarf er die Bühnen und oft auch die Kostüme für die Choreografien von Hans van Manen: für «Situation»...
