In Tüll gehüllt

«Schwanensee» in Bern

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Kein Wunder, dass die Schwäne heute Trauer tragen und dass ihnen auch nicht nach Spitzentanz zumute ist. Der Berner «Schwanensee» zeigt die stolzen Vögel mit zitternden Beinen und zuckenden, nackten Füßen. Weiße Tutus rahmen weibliche und männliche Schwanenhüften gleichermaßen, die Federn haften jedem am Kopf, als wären sie Indianern abgetrotzt, und auch mit schwarzem Tüll umhüllen sich zuweilen die geflügelten Wesen.

Dem Choreografen Stijn Celis geht es in seiner Version des Ballettklassikers nicht um erhabene Schönheit und Eleganz, sondern um beider Verlust und die Dekadenz einer überzivilisierten (höfischen) Gesellschaft.
Die Königin (Emma Murray) kommt als exzentrische Mutter daher, die ihre Wünsche, Befehle und Sehnsüchte in gekonnt spastischen Zappeltänzen auf virtuos wackligen Beinen zum Ausdruck bringt. Ihr Sohn, der zu verehelichende Siegfried (Erik Wagner), schwankt zwischen täppischer Unterwürfigkeit, quirliger Ungeduld, bleischwerer Trauer und beflügelter Verzauberung. Die heiratswilligen Prinzessinnen, allesamt zickige Tussis in kurzen Reifröcken (Kostüme: Catherine Voeffray), verschmäht der Thronfolger ges-tenreich. Stattdessen steigt er verliebt der schwermütigen ...

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Tanz Mai 2006
Rubrik: on stage, Seite 38
von Christina Thurner

Vergriffen
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