herbert fritsch
Herbert Fritsch, woher kommt es, dass ich bei «Ohne Titel Nr. 1» denke: War das jetzt Tanztheater?
Weil es trivial scheint, weil eine Geschichte nicht wichtig ist, weil der Text keine Rolle spielt, denn der ist für mich immer nur Anlass für Missverständnisse. Dagegen sind ein klarer Blick, eine klare Geste völlig unmissverständlich. Bewegung ist überhaupt ganz ursächlich fürs Theater. Theater ist Tanz und Gesang und nicht unbedingt das, was textlich verfasst ist.
Ein Riesensofa, darauf zwölf Spieler – für Tanzverhältnisse wäre das schon die ganz große Form – und das Publikum lacht und lacht.
Ich bin nun mal verschrien als der Komödienonkel mit dem Turbo-Spaßtheater. Spätestens beim Wort «Spaß» fühle ich mich aber fast beleidigt. Das klingt nach «Supernasen» oder so was. Komödie ist nun mal das Genre, das zum Lachen da ist, damit man sich den Kopf leer schütteln darf, damit man bei sich selbst aufräumen darf. Ich hätte auch keine Lust auf dieses deutsche Jammertheater, auf kreischende Frauen, die durchdrehen, sich mit Blut übergießen, in Wahrheit aber völlig saturierte Wohlstandsmenschen sind. Das sind doch Überbleibsel aus der Nachkriegszeit, die auch keine Aufarbeitung der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Mai 2014
Rubrik: menschen, Seite 20
von Arnd Wesemann
«Pieces of me» der Bonner Kompanie legt kein Ego auf die Schlachtplatte. Vielmehr bröckeln die Choreografin Rafaële Giovanola und der Dramaturg Rainald Endraß mit sieben Tänzern Szenen-Fragmente auf die weiße Bühne. Der Lichtdesigner Marc Brodeur rahmt sie zuweilen mit dunklen Linien wie ein Riesenfenster. Die Zuschauer gehen um das Feld herum, wechseln die...
Aszure Barton? Nie gehört. Neuss und St. Pölten waren die einzigen Gastspiele von Aszure Barton & Artists im deutschsprachigen Raum. Da breitet sich der Ruhm nicht unbedingt in die nächstgelegenen Metropolen aus und schon gar nicht darüber hinaus. Es braucht professionelle Spürnasen wie Bettina Wagner-Bergelt, als stellvertretende Direktorin des Bayerischen...
Anfangs droht eine junge Frau in den Fluten eines reißenden Stroms zu versinken. Wir sitzen oder stehen direkt davor, am linken und am rechten Ufer. Gern würden wir ihr Beistand leisten, sie vor dem Ertrinken bewahren. Doch die Konventionen des Theaters sprechen dagegen. Das Mädchen kämpft. Wir bleiben hilflos. Ihr Tod ist gespielt, ihre Nacktheit echt. Der Fluss,...
