Ein Kampf ist entbrannt
Ein Kampf ist entbrannt zwischen Publikum und Kritikern. Tanzwellen schlagen hoch, wenn sich in Zürich zum «Modernen Ball» Hundertschaften aus dem Sessel erheben und selber das Tanzbein schwingen. Oder gestandene Männer in Bautzen die Daumen in ihre Gürtel zwängen, um sich in ein sogenanntes «Line Dancing» zu fügen. Oder in Hamburg auf Kampnagel sich am Freitagabend weit mehr Menschen zur Tanzparty treffen, als nur wenige Stunden zuvor beim Betrachten einer Tanzperformance.
Kritiker, gewohnt auch im Dunkeln noch kritische Notizen anzufertigen, legen höchsten Wert darauf, ungestört sitzen zu dürfen. Sie sind notgedrungen wenig erbaut, wenn um sie herum alles, was Beine hat, bereit ist, diese zu schwingen. In solcher Haltung ist ein Notizblock nicht nur schwer zu bedienen, er entlarvt auch die eigene Haltung: Als Kritiker wie ein Polizist in der Menge der Mittanzenden zu wirken. Wie sieht das auch aus?
In diesem Heft gehen wir dem Phänomen nach, warum sich zunehmend mehr Menschen für das Tanzen begeistern, was sie keinesfalls gleich zu Tanz-Bewunderern formt, wie es auch für den Kindertanz an unseren Grundschulen angenommen wurde. Nicht nur Kinder, ebenso Erwachsene entdecken, dass sie ...
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Miro Magloire ist seinem Namen zum Trotz ein freischaffender Komponist aus Deutschland, der einst bei Mauricio Kagel in die Lehre gegangen ist. In der Ballettbranche kennt man ihn eher als einen Korrepetitor, der am Klavier wahre Wunder vollbringt. David Howard hat er begleitet, Lupe Serrano, Gelsey Kirkland, Kevin McKenzie und immer wieder Wilhelm Burmann,...
Nicht alles ist Tanz. Aber überall ist Tanz. Wie beim Siegtreffer der DDR am 22. Juni 1974 gegen die BRD während der Fußball-WM. Der Schütze: Jürgen Sparwasser. Hamburger Volksparkstadion, 21.03 Uhr. 34 Jahre später spielt, tanzt, dribbelt der Schweizer massimo furlan noch einmal diese Partie, 90 Minuten, allein, aber akkurat: jede Bewegung von Jürgen Sparwasser....
«Déjà Donné», französisch für «Recycling». So heißt seine Kompanie. Simone Sandronis Ausstattung und Bewegungssprache für «Cambio d’abito» (Kleiderwechsel) speisen sich aus zweiter Hand. Thematisch – es geht ums Auf-Spüren des Spektakels im Alltag, der alten Schwungkraft, unter Schichten abgelagert und begraben. Strukturell, weil Simone Sandroni das kalkulierte...
