Heiliger Geldautomat
Der Versuch Martin Stiefermanns, den lieben Gott zu spielen mit seiner Tanzkompanie Oldenburg und Kollegen aus New York, Luzern, Osnabrück, Groningen, Kuba und Mannheim, um den Dekalog in tanztheatralischen Essays zu kommentieren, wurde vom Allmächtigen gnädig geduldet. Das Projekt erwies sich als geglückter Schöpfungsakt. Was in einer stilistischen Melange hätte verläppern können, ergab auf unterschiedlichem Niveau ein überzeugendes Ganzes.
Wesentlichen Anteil hatte die Raumidee von Till Kuhnert. Er baute den kleinen Saal im Staatstheater zum Tempel um.
Die Säulen setzten sich im Zuschauerraum fort und ergaben ein sakrales Rund: im Zentrum ein Schrein: der Altar oder die Bundeslade. Das angedeutete Ambiente gab den Choreografen einen Rahmen und die Freiheit, die zweitürige wandelbare Wunderbox zu entfalten oder nach ihrem Gusto umzugestalten. Sie diente als Geldnoten spuckender Bankomat, Bettstatt, Heiligenbild, Bühne auf der Bühne oder undurchdringliche (Lein)-Wand.
Die Gebote dienten den sieben Choreografen mehr als Projektionsfläche für ihre Gedanken über Wertvorstellungen. Verena Weiss (Luzern) ersetzte die spirituelle Gottesidee durch das materialistische Götzenbild, ...
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