Hamburg
Über dem Graben liegt eine kreisrunde Scheibe, und das Orchester sitzt auf der Bühne. Ein junger Mann in Weiß kommt aus dem Zuschauerraum dazu, tippt zögernd auf die leere Spielfläche, als wäre es brüchiges Eis.
Allmählich erobert er sich seine Bühne, andere junge Männer in cremefarbenen zeremoniellen Röcken (gestaltet von Albert Kriemler) gesellen sich zu ihm – fertig zum Spiel! Dann tritt der Dirigent Kent Nagano auf (tanz 7/16), Verbeugung, Beifall, los!
In der «Einleitung» entfesselt sich ein wilder Tanz – die Jungs wissen noch nicht, wohin mit ihrer Kraft: Die Anklänge an «Sacre du printemps», auch musikalisch, sind kein Zufall. Am Ende bauen sie eine Pyramide, der Oberste lässt sich nach hinten fallen und wird aufgefangen, ein – stets leicht variiertes – Leitmotiv des Abends. Im «Liebesgesang 1» zele-brieren Hélène Bouchet und Carsten Jung einen langsamen, stilisierten Liebesakt von ungeheurer Intensität. Der Jüngling hat im Orchester neben den Ondes Martenot – elektronisches Lieblingsinstrument des Komponisten Olivier Messiaen – auf dem Boden Platz genommen und schaut zu.
John Neumeiers sinfonische Ballette nach Gustav Mahler zeichnen sich dadurch aus, dass sie weder die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Oktober 2016
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 31
von Bernd Feuchtner
Seit 2013 leitet Robert Swinston das Centre National de Danse Contemporaine (CNDC) in Angers. Seine Nominierung löste damals diskreten Zoff aus. Die Stadtväter von Angers hofierten den Amerikaner. Paris hustete: Was bitte sollte Merce Cunninghams langjährige rechte Hand, fast schon sein Ziehsohn, der noch nie in einer anderen Tanzwelt gelebt hatte, an einem CNDC,...
Von den Barrieren, Zäunen, Mauern, an denen man sich im Leben immer mal den Kopf einrennt, wenn nicht noch mehr, ist die Grenze zwischen Männern und Frauen eine der populärsten. Von der Pein, wenn diese mitten durch einen einzigen Menschen hindurchläuft, können Transidente berichten. Meist liegen diverse Kämpfe hinter ihnen, bevor sie ein ihnen gemäßes Leben...
Diesmal zeigt sie ihr Gesicht. Und sie betört mit rockiger Stimme. Miet Warlop wechselt in ihrer jüngsten Produktion «Fruits of Labor», die beim «Internationalen Sommerfestival» in Hamburg Deutschlandpremiere feierte, von der anarchisch bunten Splattershow ins düstere Hard-Rock-Ambiente. Versteckten sich zuletzt in ihrem Erfolgsstück «Mystery Magnet» noch seltsam...
