hamburg: John Neumeier «Fließende Welten»
Schwüles Gedünst schwebt in der Luft. Aus dem Kahn, der schon vor Beginn der Aufführung zu sehen ist, erhebt sich Alexandre Riabko, in der Betrachtung des Mondes versunken. Er greift zu seinem Hut, sinkt zurück, schließt für einen Moment die Augen – und erinnert sich des Nachthimmels, wie er sich in einem imaginären See spiegelt.
«Spiegelungen des Nachthimmels» nennt John Neumeier die Szene, der er das Andante einer Flötensonate von Johann Sebastian Bach unterlegt hat: ein choreografisches Continuo, das nicht nur den Solisten einlullend umspielt, sondern so etwas wie den Fluss der Zeit signalisiert, den niemand aufzuhalten vermag. Ein «verrinnend Lebendiges», wie es in einem Einführungstext etwas angestrengt heißt, «das im Tanz als einer im Augenblick sich vollziehenden Kunstform von grundlegender Bedeutung ist».
Mit «Arbos» von Arvo Pärt ändert sich das Bild, und mit dem ersten Haiku (dem im weiteren Verlauf noch sieben andere folgen sollen) taucht mit Thiago Bordin jener Tänzer auf, der selbst den Mond verkörpert, unwirklich fast, feingliedrig, transparent in allem, was er tanzt und tut: eine poetische Projektion wie so oft bei Neumeier, die das Ambiente des Balletts nicht ...
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