ohne worte

Nichts ist schwerer, als im Tanz eine Geschichte zu erzählen. Warum? Antworten gibt es auch vom Dortmunder Ballettdramaturgen Christian Baier.

Tanz - Logo

Nun hat das Sturmgeschütz des Regietheaters auch den grünen Hügel erobert. Im reifen Alter von 69 Jahren debütierte Hans Neuenfels bei den diesjährigen Festspielen in Bayreuth und streute vor seiner «Lohengrin»-Premiere jede Menge Interviews und noch mehr Gerüchte. Mal hieß es, der obligatorische Schwan werde gerupft, ein andermal, die gefiederte Schönheit mutiere zur räudigen Ratte. Natürlich ließ sich der Meister bis zuletzt nicht in die Karten schauen. Dafür sprach er einer Journalistin ein paar epochale Sätze auf Band: «Aber im Theater muss Neues passieren.

Es geht heute nicht mehr mit diesen abgetakelten Formen der Ästhetisierung. Wir müssen wieder Geschichten erzählen.»

Rolle rückwärts? Hat nicht die Moderne, quer durch alle Kunstgattungen, die Narration mit großem Spektakel verabschiedet? Hat nicht die Postmoderne noch die letzten Fasern vom Fleisch des Erzählens genagt, bis allein das Skelett der Konstruktion übrig blieb? Man kann Neuenfels’ Appell getrost für reaktionär halten, für unzeitgemäß, für die Marotte eines in die Jahre gekommenen Bilderstürmers am Regiepult. Aber dass ausgerechnet dieses ehemalige Enfant terrible die Schnauze voll hat von den «abgetakelten Formen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Oktober 2010
Rubrik: produktionen, Seite 13
von Dorion Weickmann

Vergriffen
Weitere Beiträge
nachruf: Elise Ralston

Sie hat sich gewünscht, dass der «Tanz immer mehr zu einer Kunst werden kann, die menschliche Größe befördert». Und dass er «nicht vornehmlich geistige Armut erzeugt durch Überbewertung mechanischen Trainings und engstirniges, leistungsbezogenes Denken». Mit unerschöpflicher Energie widmete sich Elise Ribeiro Ralston ihrer Kunst, mehr als zwanzig Jahre lang an der...

stipendium: Laure Guilbert

Die in Stockholm ansässige Lilian Karina Foundation, gegründet von der 1940 nach Schweden emigrierten ­Ausdruckstänzerin Lilian Karina (1907–2007), hat zum ersten Mal ein Forschungsstipendium vergeben. Ausgeschrieben für Projekte im Bereich von Tanz und Politik, geht die Zuwendung in Höhe von 70.000 Schwedischen Kronen an Laure Guilbert, Lektorin für Tanz an der...

Hanna Berger

war freie Tänzerin in Berlin, ging früh in den Widerstand gegen Hitler und hatte sehr viel Glück. 1942 von der Gestapo verhaftet, konnte sie sich nach einem Bombenangriff befreien, versteckte sich in der Steiermark, blieb nach dem Krieg in Wien und tanzte, gegen erneute Widerstände, in den sozialistischen Ländern, auch in Ost-Berlin. Sie starb 1962. 


1995 sah die...