ohne worte
Nun hat das Sturmgeschütz des Regietheaters auch den grünen Hügel erobert. Im reifen Alter von 69 Jahren debütierte Hans Neuenfels bei den diesjährigen Festspielen in Bayreuth und streute vor seiner «Lohengrin»-Premiere jede Menge Interviews und noch mehr Gerüchte. Mal hieß es, der obligatorische Schwan werde gerupft, ein andermal, die gefiederte Schönheit mutiere zur räudigen Ratte. Natürlich ließ sich der Meister bis zuletzt nicht in die Karten schauen. Dafür sprach er einer Journalistin ein paar epochale Sätze auf Band: «Aber im Theater muss Neues passieren.
Es geht heute nicht mehr mit diesen abgetakelten Formen der Ästhetisierung. Wir müssen wieder Geschichten erzählen.»
Rolle rückwärts? Hat nicht die Moderne, quer durch alle Kunstgattungen, die Narration mit großem Spektakel verabschiedet? Hat nicht die Postmoderne noch die letzten Fasern vom Fleisch des Erzählens genagt, bis allein das Skelett der Konstruktion übrig blieb? Man kann Neuenfels’ Appell getrost für reaktionär halten, für unzeitgemäß, für die Marotte eines in die Jahre gekommenen Bilderstürmers am Regiepult. Aber dass ausgerechnet dieses ehemalige Enfant terrible die Schnauze voll hat von den «abgetakelten Formen ...
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1995 sah die...
