Hagen: Marguerite Donlon «Prolog – Schwanensee – Aufgetaucht»

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Schwanenfrau und Königssohn sind einfach nicht füreinander gemacht. Sie kommen aus zwei Welten und bleiben einander nur Erlösungsprojektionen: Er will mit ihr dem rigiden System am Königshof entfliehen, sie durch ihn ihrem Wildtierdasein. So war's schon immer im Ballettklassiker. Aber jetzt haben sich die metaphorischen und psychologischen Subtexte des Stoffes quasi materialisiert: Ein steriler, auf Corona-Deutsch: «hygieneregelkonformer»  Plastikvorhang trennt die Sphären von Prinz und Vogel. Sie sehen sich. Sie sehnen sich. Doch sie werden sich nie spüren.

So todesverhütend für die realen Tänzer, so todtragisch für die fiktiven Figuren.

Der kontaktsperrende Vorhang ist eine äußerst kreative Pandemie-Lösung von Hagens Ballettdirektorin Marguerite Donlon, um trotzdem, kurz vor Ende der Spielzeit, noch eine Version ihres geplanten «Schwanensee – Aufgetaucht» auf die Bühne zu bringen. Entstanden ist ein 50-minütiger «Prolog», der mittels Solo-Auftritten tief in die Seelenabgründe der Figuren leuchtet, die sich als Verwandte heutiger Serien-Psychos entpuppen. Fast alle leiden unter profundem Selbstekel. Beim Blick in den Spiegel krampfen sich ihre Körper vor Scham- und Schuldgefühl ...

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Tanz August/September 2020
Rubrik: Kritik, Seite 27
von Nicole Strecker

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