Hagen: Alfonso Palencia «Cinderella»
Du meine Güte, wie konnte das bloß passieren? Wie konnte der Herr Papa bloß an diese neue Gattin geraten? Riesengroß, schwarz, mit muskulösen Beinen unterm gerüschten Minirock und launisch wie das Aprilwetter – eine Sekunde zärtlich, die nächste brutal. Cinderellas Stiefmutter ist eine kerlige Carmen. Genauer: Sie ist ein Kerl.
Der größte Tänzer der Kompanie, der Afroamerikaner Bobby Briscoe, stöckelt als Stiefmutter auf Flamencoschuhen über die Bühne, und auch die beiden Stiefschwestern hat das Cross-Gendering erwischt: Sie sind ebenfalls männlich und mischen als unzähmbares Zwillingspaar, Tüten schwenkende Shopping Queens und tollpatschige Anarchos auf dem Ballparkett das Bühnengeschehen ziemlich auf.
Cinderellas Stieffamilie also als bizarrer Transvestiten-Clan. Die Idee ist nicht neu, aber immer noch gut. Schon der ritterliche Sir Frederick Ashton hatte mit diesem Kunstgriff 1948 eine maßstabsetzende «Cinderella» choreografiert. Seither haben große Choreografen von John Neumeier bis Heinz Spoerli den Staub aus dem Aschenbrödel-Stoff gepustet, und Vladimir Malakhov trat mit dem Stück seine Intendanz am Staatsballetts Berlin an. Auch Gelsenkirchens Ballettdirektorin Bridget ...
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Tanz Juni 2018
Rubrik: Kritik 6/18, Seite 41
von Nicole Strecker
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Ich weiß, dass ich im Theater bin
und ich weiß, dass ich um mein Leben nicht zu fürchten brauche.
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muss ich die Kurzweil fürchten.
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