Gundula Peutherts Neustart
Gundula Peuthert, frisch berufene Direktorin, unterzieht das neu formierte Tanztheater Görlitz einem Testlauf, um die Reaktion der Besucher zu testen, die durch Peutherts sämtliche Vorgänger Ballett geboten bekamen. Mit Witz und Feingefühl schaut die Choreografin ihren multinationalen Tänzern auf Körper, Mund, Gebaren und macht Eigenheiten und Naturell zum Ausgangspunkt, um geschickt zeitgenössischen Tanz beim Adressaten der deutsch-polnischen Stadt an der Neiße einzuführen, ohne didaktisch zu werden. Ihr «Testbild» flimmert entsprechend amüsant.
Nach dem Ensembleentree mimt Bärbel Strehlau, komödiantisch parlierender maître de plaisir, japsend Seitenstechen, zählt die Elemente ihres Tanzes auf, fände gern die Maßeinheit für Bewegungsdichte pro Quadratmeter. Als synchrone Tanzkarawane ziehen ihr die Mitstreiter davon. Ihre stets von irgendjemandem verhinderte Moderation bietet Anlass für eine unsentimentale Partnererkundung, für ein aus Wut geborenes Duett, in dem vier Paare zeigen, wie gegensätzlich dieselbe Minimalmusik gestaltbar ist. Diffiziles Bewegungsmaterial in solider Ausführung jeweils mit Schlussgag, unaufgedonnert und nirgendwo formal, präsentieren auch die Miniaturen ...
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So freundlich diese unterlebensgroßen Asiaten in ihren mausgrauen Mao-Jacken auch blicken, ihr theatralisches Spiel macht den Außen-stehenden zum Fremd-Körper, ihre physische Natur stimmt nachdenklich. Wer ist hier sprachlos? Die Kunstfigur als Spiegel des entfremdeten Selbst?
Und was gibt’s da zu lachen? Irgendwie ansteckend, diese gelassene Heiterkeit von hundert...
Dies ist kein weiteres Heft zum Mythos Berlin. Wir werden auch nicht erklären, warum wir «trotzdem» hier wohnen. Trotz ungeregelter Ladenschlusszeiten, trotz drei Opernhäusern, trotz drei Flughäfen. Wir geben ja zu, dass das alles Luxus ist im Angesicht einer so desolaten Förderung des Tanzes. Wir werden uns bessern. Denn weniger Flughäfen, Opern und dafür mehr...
