Goodie fürs Gemüt
Wer hier eintritt, atmet die Musik des Cellos. Mattia Zappa, Cellist im Tonhalle-Orchester, empfängt eine bunte Schar tanzlustiger Menschen. Sie kommen in Rollstühlen, mit Stöcken, Krücken oder nur mit Taschen. Und sie machen sich im dritten Stock der Tonhalle Zürich zum Tanzen bereit: Die einen etwas umständlich, die anderen wendig und schnell. Nicht allen sieht man die tägliche Herausforderung an, die Multiple Sklerose (MS) oder Parkinson an sie stellen. Aber alle stellen sich nun der Herausforderung der beiden Trainingsleiterinnen Clare Guss-West und Lucia Gugerli.
Unser Tanz ist inspiriert vom zügigen, manchmal rockigen Spiel Mattia Zappas. Und von Cathy Marstons Ballett «The Cellist». So spüren wir gegen Ende der Stunde hin einem Tanz von Jacqueline du Pré mit ihrem Ehemann Daniel Barenboim und ihrem Cello nach, und wir versuchen uns in einem Dreitanz, der, wie in Marstons Ballett, nicht aus der Eifersucht geboren wird, sondern aus dem Willen zum Zusammenspiel.
«Connect» heißt das Projekt für Menschen mit neurologischen Herausforderungen. Entstanden ist es auf Initiative der Zürcher Ballettdirektorin Marston, und es wird in Kooperation von Opernhaus Zürich und ...
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Tanz Juni 2024
Rubrik: Praxis, Seite 62
von Lilo Weber
Was heißt es, wirklich wach zu sein? Wo sind wir, wenn wir träumen? Gibt es ein Dazwischen? Diese oder ähnliche Fragen müssen Reginaldo Oliveira, den choreografierenden Ballettdirektor des Landestheaters Salzburg, für seine Interpretation von «Dornröschen» beschäftigt haben. Entstanden ist ein Ballett, das sich zu unterhalten traut und gleichzeitig zum Nachdenken...
John Neumeier findet immer wieder geborene Tanzschauspieler für seine Handlungsballette. Seltener vielleicht als früher, als die Persönlichkeiten seiner weiblichen oder männlichen Musen ganze Meisterwerke inspirierten, aber es gibt sie noch inmitten der hochvirtuosen, selbstgewissen Youngsters bei den Wettbewerben: diese eher verträumten Interpreten, diese Tänzer...
Der Zug ist verspätet. 110 Minuten, wie originale Bahnhofsdurchsagen mehrfach verkünden. Man muss warten, man muss Zeit totschlagen, man muss den Körper koordinieren, zwischen Gleisbett und Wartehalle. Yi Chun-Liu, im Hauptberuf Tänzerin bei der belgischen Gruppe Peeping Tom, bespielt für ihre erste abendfüllende Stadttheater-Arbeit «Close to you (and think of the...
