Gonzalo Galguera: «Manon Lescaut»

Magdeburg

Tanz - Logo

Er habe Hochachtung vor Kenneth MacMillans Klassiker, glaube aber, dass heute andere Formen der tänzerischen Darstellung möglich seien. Sagt Gonzalo Galguera und verwendet in Magdeburg pikanterweise genau jenes Arrangement verschiedener Musiken von Jules Massenet aus Opern, Oratorien, Orchestersuiten, das Leighton Lucas 1974 für MacMillans Londoner Uraufführung schuf. Diese Umstellungen passen sehr genau zu Galgueras Erzählversion, die sich enger an die literarische Vorlage des Abbé Prévost hält als MacMillan.



Die Magdeburger Lesart übernimmt Prévosts Idee eines Rückblicks des alten Des Grieux auf sein Leben. Wärter schleppen den Kranken heran. Vor bröckeligen Fassaden mit Feuerleitern und Werbeflächen einer amerikanischen Großstadt begegnet er einem Jugendfreund und erzählt ihm von der großen Liebe seines Lebens. Er trifft Manon, als sie in Paris ankommt und erneut in einem Spielcasino der Golden Twenties. Dort zieht der Zuhälter und Ganove Lescaut die Fäden und verkuppelt seine Schwester Manon meistbietend. Des Grieux erträgt nur in naiv-unbedingtem Empfinden die Amouren seiner luxussüchtigen Geliebten, flüchtet in ein Priesterseminar, verfällt Manon abermals. Bis dahin ist er ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Oktober 2009
Rubrik: Wiederaufnahme, Seite 40
von Volkmar Draeger

Vergriffen
Weitere Beiträge
Gintersdorfer/Klassen: «très très fort»

Im Jahr 2002 herrschte an der Côte d’Ivoire ein Bürgerkrieg, der bis heute nicht beendet ist. Niemand weiß, wer wirklich der Gegner war und ist, sagt der Tänzer Franck Edmond Yao, hier genannt Le président. «Immer heißt es, die greifen uns an. Das sind vielleicht von Franzosen bezahlte Burkinesen, die Armen, die aus dem Norden den Süden angreifen, die Politiker...

François Verret: «Do You Remember No I Don’t»

François Verret hat es nicht leicht, alle Erwartungen zu erfüllen, die er mit einem neuen Projekt wecken kann. Als einer, der zwischen den Kunstsparten nicht trennt, sondern sie vereint, musste er zur Premiere bei Montpellier Danse wieder einmal erleben, wie jeder zuerst bedient werden will. Da fanden die einen, sein «Do You Remember No I Don’t» sei doch gar kein...

Ich Bin Schuld

Zwanzig Jahre nach dem Fall der Mauer gingen zwei Länder Bankrott. Beide hörten auf denselben Namen: DDR. Das eine Land war ein Spitzelstaat, in dem sich die Bewohner im Namen der Satzung ihres Kleingartenvereins so lange gegenseitig denunzierten, bis keiner mehr da war. Das andere Land gleichen Namens war ein marodes Wirtschaftsunternehmen, das jede Hand brauchte,...