Gonzalo Galguera: "Keine Schmerzen!"

Magdeburg

Tanz - Logo

Der Kubaner mit der schönsten, fülligsten, längsten Haarpracht der deutschen Tanzszene verbündet sich mit Schneewittchen. Ein Märchen. Schneewittchen ist Deutschmusik mit bemerkenswerter Grunge-Poesie, bestehend aus der stimm­gewaltigen Nina-Hagen-Nachfahrin Marianne Iser und des Großtalents am Synthesizer, Thomas Duda. Die beiden treffen auf 18 Tänzer im Opernhaus von Magdeburg. Die Gothic-Fans sind angetreten, standesgemäß bemalt und tragen schwarze, teure Mäntel erhobenen Haupts in ihrem ersten Rang gegen die Konvention der H&M-Tracht der Bürger im Parkett.

Dagegen kommt auch der Kostümbildner Frank Lichtenberg nicht an. Bei ihm tragen die Tänzer Mullbinden. Der Unterschied zwischen Oper und Go­thic: die eine flieht in Kunst, die andere zeigt auf die zumal in Magdeburg restlos planierte Gleichförmigkeit des Gemeinwesens: Gothic ist Intervention gegen die sauber gewischte Oberfläche einer nur noch verwalteten Welt.

Eskapismus ist auch Schneewittchen. Sie residiert auf Schloss Cottenau im Luftkurort Wirsbach zwischen Kulmbach und Bayreuth. Von hier aus bequemt sich das Paar zu «spannenden Grenzüberschreitungen» (Programmheft). Barbusig, mit Spinnen-Emblem im Gesicht, schwerer, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz März 2007
Rubrik: Der Kalender, Seite 41
von Arnd Wesemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Anja Hempel: "Fleisch"

Das Schulterstück gehört auf die Schulter, das Bauchfleisch auf den Bauch, die Lende an den Schenkel. Dieses ganz und gar nicht an Vegetarier adressierte Stück "Fleisch" drapiert das Fleischkleid aus der Metzgerei auf die blasse Haut von drei klassischen Ballerinen. Das Innere kehrt, noch blutig, nach außen. Das Steak im Schuh der Ballerina wird weich getreten, das...

Youri Vàmos: "Giselle"

Youri Vàmos hatte schon als junger Choreograf eine szenische Idee zu Adol­phe Adams "Giselle". Dann aber, bekennt der Ballettchef der Rheinoper Düsseldorf-Duisburg, habe Mats Eks Version ihn so überzeugt, dass er das Vorhaben fallen ließ. Bis heute. Und: gut so. Die Story endet bei ihm nicht in der Irrenanstalt, sondern in einem provisorischen Lazarett. Nicht das...

Das Kleid als Skulptur

Auf der Bühne oder auf dem Laufsteg hinterlässt das Kostüm oft nur einen flüchtigen Eindruck. Fotografiert, bekommt es etwas Dauerhaftes, Skulpturales. Chris­tin Losta zeigt das Kleid in seiner ganzen Beschaffenheit. Man erahnt, wie viele Schritte vom Entwurf bis zur Fertigung eines Kostüms nötig sind. Ein Kleid von Hervé Leger erinnert so, aus einzelnen Stücken...