glasgow: Oblivia: «Museum of Postmodern Art 1»
«I love bouncing in the mist.» Das ist der schönste Satz einer Performance, in der es jede Menge schöner Sätze gibt. Nach der teilweise zum Brüllen komischen Trilogie über Unterhaltungsformate, «Entertainment Island» (2008 – 2011), nehmen sich drei Performer des finnischen Oblivia-Kollektivs mit «Museum of Postmodern Art 1» nun das postmoderne Theater vor. Vielleicht, denn der Nebel – «mist» – ist hier Programm, im Sinn der Unschärfe, des Ungefähren, des Verschwindens.
Bei Oblivia wird stets viel gesprochen, und immer auf ganz eigenartige Weise.
So ist auch hier jeder Satz, den Timo Fredriksson, Anna Krzystek und Annika Tudeer sprechen, genauso ausgefeilt, wie es ihre sparsamen Bewegungen auf der Bühne sind. Stets ist da etwas Mehrschichtiges: einerseits die Direktheit, etwas aus einem Impuls heraus zu tun oder zu sagen, bisweilen als Reaktion auf einen Kollegen, dabei gern als Widerspruch getarnt – «Don’t be pathetic!». Andererseits pflegt das Trio eine Künstlichkeit, als sei jeder die hölzerne Spielfigur seiner selbst: Drei Schritte gehen, stehen, Unterarm anwinkeln, Kopf wenden, Kopf geradeaus, ein Knie heben, Hand ans Kinn. Reden wie ein Ansager, Schweigen wie abgeschaltet. ...
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Tanz April 2013
Rubrik: kalender und kritik, Seite 48
von Melanie Suchy
«Das New York City Ballet war immer schon stolz darauf, besonders experimentierfreudig und innovativ zu sein», sagt Peter Martins, Leiter der weltberühmten Ballettkompanie im Lincoln Center – natürlich. Denn keine Kunstform hat derart taufrische Aspiranten, keine andere ist aber auch dermaßen «Beauty and the Beast» zugleich, sagt der bildende Künstler Patrick...
Der Vorhang öffnet sich, schwarz gähnt die Bühne des Palais Garnier, bis irgendwo in der Tiefe des Raums ein goldener Schimmer aufflackert und über stuckierte Wände irrlichtert. Kaum hat sich das Auge an die emporzüngelnden Mauer-Flämmchen gewöhnt, tauchen aus dem Nichts kleine Füße auf, sorgsam auswärts gerichtet. Ein paar Schritte, dann zeichnen sich darüber...
Tanz hat es schwer, aber nur deshalb, weil er – entgegen seinem Hang zu Höherem oder gar zu einer gewissen Transzendenz – sich stets und unerbittlich gegen die Niederungen der Sprache wehren muss. Diese Niederungen drohen ihm am Staatstheater Braunschweig schon im Parkettfoyer, wo das Volk sich versammelt, bevor es vor der Bühne die choreografische Kunst von Jan...
