Girl
Ganz am Anfang steht das Mädchen vor dem Badezimmerspiegel, die langen blonden Haare zurückgesteckt, ein wenig Furcht, ja Schrecken in den Augen. Und doch etwas wie Stolz und Freude im Gesicht. «Was machst du da?», fragt der Vater beim Hereinkommen. «Ich wollte Ohrlöcher, jetzt hab ich welche», entgegnet die Tochter. «Hast du sie wenigs-tens desinfiziert?», hakt der Vater nach. Jaja, hat sie. Überhaupt soll er sich nicht so viele Sorgen machen … Das sagt sich leicht daher und ist, wie wir eineinhalb Filmstunden später kapieren, doch ganz verkehrt.
Da verlässt der Vater die Wohnung, die Tochter nimmt Eiswürfel aus der Tiefkühle, legt eine Schere bereit und ruft den Rettungsdienst an: «Lara Verhaeghen, Rue Ferrier 135, ich melde einen Notfall.» Dann steht sie rücklings zur Kamera, lässt die Hosen herunter, nimmt die Schere zur Hand. Wir sehen nicht, was geschieht, aber wir wissen es, noch ehe das Mädchen wimmernd zusammenbricht. Lara Verhaeghen, 16 Jahre alt, hat sich soeben von dem Teil ihres Körpers befreit, der ihr fremd geblieben ist. Von ihrem Penis.
Ein Film, der um den Wechsel des Geschlechts kreist und dieses Geschehen in die Tanzwelt verlegt, wäre noch vor wenigen Jahren ...
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Tanz November 2018
Rubrik: Ideen, Seite 60
von Dorion Weickmann
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