Giora Manor ist tot
Zum Jahreswechsel schickte Giora Manor eine Foto-Postkarte, auf die er mit silbernem Stift «Happy New Year!» geschrieben hatte. Auf der Rückseite war voller Stolz notiert: «Dieses Bild wurde von meiner Veranda aufgenommen – also ist im Vordergrund ‹mein Garten› zu sehen.» Erst unlängst war er innerhalb seines Kibbutz Mishmar Ha’emek in ein bequemeres Apartment umgezogen. Jahrgang 1926, spürte er durchaus die Beschwerden des Alters. Aber er hatte noch so viel vor; zum Bournonville-Festival in Kopenhagen Anfang Juni wollte er unbedingt.
Ich wusste, dass seine ganze Familie in deutschen Konzentrationslagern umgebracht worden ist, so habe ich ihn zunächst behandelt wie ein rohes Ei. Aber er wollte das nicht. Mit der deutschen Schuld am Holocaust und an Millionen toten Juden ging er unbefangen um. Später erzählte er gern und mit Ironie von seiner Familie: von seinem reichen, kommunistischen Vater in der armen Tschechoslowakei. Aber das war Vergangenheit; er schaute in die Zukunft.
Giora reiste gern, nach Europa wie in China, und lud genauso gern ein, zum Tanzfest von Karmiel in der Wüste. Er fuhr dorthin mit einem uralten japanischen Minivan des Kibbutz, voller Stolz auf das Land, in ...
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