Gerald Siegmund über Forsythe
In seiner über 40-jährigen Karriere als Choreograf hat William Forsythe eine erstaunliche Entwicklung durchgemacht. Ich kenne keinen anderen Choreografen, dessen Werk sich durch beständiges Bearbeiten und Befragen des Tanzes derart radikal gewandelt hätte wie das von Forsythe. Ruft man sich seine frühen spektakulären, auf der Neo-Klassik basierenden Ballette in Erinnerung, scheinen sie nichts mehr mit jenen bescheiden daherkommenden offenen Formen zu tun zu haben, die Bill heute choreografiert und zeigt.
Er hat radikal andere Formen des Zusammenseins und Zusammentanzes entwickelt, die zeitgenössischer sind als vieles, was mir in der freien Szene begegnet. Auf der einen Seite hat er das klassische Ballett einer konsequenten Analyse von innen unterzogen und ihm so ungeahnte Bewegungsmöglichkeiten eröffnet. In intensiver Zusammenarbeit mit den Tänzerinnen und Tänzern hat er den Ballettkörper gleichsam aufgefaltet und ihm durch Verschiebungen der Bewegungszentren, der Bewegungsimpulse und der Koordination der Gliedmaßen eine neue Gestalt gegeben. Auf der anderen Seite hat der das Ballett von außen mit anderen Formen des Wissens zusammengebracht, um so die choreografische Syntax ...
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Tanz Dezember 2019
Rubrik: Menschen, Seite 26
von
Am 1. Februar nächsten Jahres wird er zum letzten Mal verliehen, der mit 5000 Euro dotierte «Leipziger Bewegungskunstpreis». Weiterhin aber gibt es den «Sächsischen Tanzpreis». Gewonnen -haben ihn diesmal der Stepp-Virtuose -Sebastian Weber für «Cowboys» sowie, als «Ursula-Cain-Förderpreis» deklariert, Wagner Moreira für «I Play D(e)ad». Die Verleihung fand in der...
Für den Gestrandeten ist die Insel, sollte man meinen, ein herrschaftsfreier Raum. Hier lassen sich Hierarchien schwerlich aufrechterhalten, weil um des Überlebens willen jeder, egal welchen Standes, auf die Hilfe des anderen angewiesen ist. Zumindest nominell aber müssen die gesellschaftlich diktierten Abstände gewahrt werden, wie berühmte literarische Beispiele...
Entdeckung: Bauhaus Ballet
Die üblichen Stehaufmännchen finden sich nicht in dem Buch. Auch sind es im «Bauhaus Ballet» erst einmal ein paar Tänzerinnen, die sich in Positur stellen. Aber ihre Röcke, ganz offensichtlich vom «Triadischen Ballett» eines Oskar Schlemmer inspiriert, lassen sich auf verblüffende Weise drehen. «Twist!», «Turn!», «Twirl!», «Whirl!» heißt...
