Geisterbeschwörung

Kritisch, abgeklärt, nostalgiefrei: Meryl Tankard liest Pina Bauschs «Kontakhof» noch einmal neu

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Der altbekannte Ballsaal ist wieder da. Ein bisschen runtergekommen wirkt dieses Bühnenbild, ein bisschen spießig, ein bisschen heimelig, man glaubt, kalten Rauch zu riechen, abgestandenen Schweiß, Staub vielleicht. Der Ballsaal also sieht so aus, wie ihn Rolf Borzik 1978 ins Wuppertaler Opernhaus gebaut hat, für die Premiere von Pina Bauschs «Kontakthof». Obwohl, Moment: Etwas ist anders bei der Aufführungsserie vergangenen November am Ort der Uraufführung. Alles wirkt, als ob leichter Nebel durch den Saal ziehen würde.

Ein Schleier liegt über dem Bühnenbild, ein Schleier, der sich als echter Schleier entpuppt: Ein durchscheinender Gazevorhang wurde zwischen Bühne und Zuschauerraum gespannt, und dieser Vorhang verwandelt sich durch Ryan Joseph Staffords ausgeklügelte Lichtregie in eine Leinwand, auf die Videoaufnahmen aus der ursprünglichen, 46 Jahre alten Aufführung projiziert werden.

Gewaltbeziehungen
«Kontakthof» war ein früher Höhepunkt in Bauschs Wuppertaler Karriere: ein Stück, das den Tanz ernst nahm als Annäherung verschiedener Körper, unsicher, grob, sehnsuchtsvoll. Und gleichzeitig auch ein Stück, das die Geschlechterverhältnisse als Gewaltbeziehungen auf schmerzhafte ...

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Tanz Mai 2025
Rubrik: Traditionen, Seite 58
von Falk Schreiber

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