Gabriela Carrizo «Chroniques»
«Chroniques», das klingt neutral, sachlich, faktisch – und ist gerade deshalb eine Illusion. Im Reich von Peeping Tom täuschen visuelle und choreografische Tricks hartnäckig die Sinne und entziehen sich jeglichem Realismus. Peeping Tom, das sind die Argentinierin Gabriela Carrizo und der Franzose Franck Chartier, die sich einst in der Brüsseler Compagnie von Alain Platel kennenlernten. Seit einiger Zeit gehen beide künstlerisch getrennte Wege: Chartier liebt weiterhin das Theater und die großen Bühnenbilder, während Carrizo freier mit Räumen und Dimensionen spielt.
Also ist eher Chartier der Chroniker, weswegen der Titel von Carrizos neuer Arbeit wie eine Finte anmutet, ähnlich selbstironisch wie der Name der Compagnie: «Peeping Tom» verweist auf Voyeurismus in Bezug auf das Alltagsleben der Normalbevölkerung. In «Chroniques» vermengt Carrizo dagegen rätselhafte, undefinierbare Räumlichkeiten, Körperbilder, Zeitebenen und Beziehungen der Figuren. Im Vergleich mit den Special Effects aus Chartiers Welt zündet Carrizo hier den Turbo: Da sind die Körper derart agil, dass sie sich selbst blockieren, als wäre das Ziel aller Akrobatik eine Kunst des Selbstfesselns. Da wird gemordet und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Januar 2026
Rubrik: Kalender, Seite 40
von Thomas Hahn
Nein, die vielen weihnachtlichen «Nussknacker» gehen ihm gar nicht auf die Nerven: «Wir haben alle ziemlich viel Spaß», weil Edward Clugs Stuttgarter Produktion so locker und fröhlich ist, sagt Martino Semenzato, fast ein wenig überrascht über sich selbst. Parallel zu seinen Auftritten als Drosselmeier arbeitet der junge Italiener an «Untamed», einer...
Die Ausstellung «Whispers of Japan» des Schweizer Künstlers Luciano Castelli entfaltet sich wie eine Performance und hat so gesehen wenig mit konventionellen Expositionen in Galerieräumen zu tun. Die Kulturstiftung Basel H. Geiger arrangiert Gemälde, Skulpturen, Fotografie und Film zu einem stimmungsvollen Ensemble, das den Charakter einer Choreografie in Slow...
Neue Runde
TANZPAKT STADT-LAND-BUND
Es gibt doch noch gute Nachrichten: Anders als das Bündnis der Produktionshäuser und das Netzwerk «explore dance – Netzwerk Tanz für junges Publikum», die keine Bundesmittel mehr kriegen (S. 23), dürfen sich bundesweit zehn Projekte über eine Förderung im Rahmen des Programms «Tanzpakt Stadt-Land-Bund» freuen. Sie werden mit 1,9...
