Gabriela Carrizo «Chroniques»

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«Chroniques», das klingt neutral, sachlich, faktisch – und ist gerade deshalb eine Illusion. Im Reich von Peeping Tom täuschen visuelle und choreografische Tricks hartnäckig die Sinne und entziehen sich jeglichem Realismus. Peeping Tom, das sind die Argentinierin Gabriela Carrizo und der Franzose Franck Chartier, die sich einst in der Brüsseler Compagnie von Alain Platel kennenlernten. Seit einiger Zeit gehen beide künstlerisch getrennte Wege: Chartier liebt weiterhin das Theater und die großen Bühnenbilder, während Carrizo freier mit Räumen und Dimensionen spielt.

Also ist eher Chartier der Chroniker, weswegen der Titel von Carrizos neuer Arbeit wie eine Finte anmutet, ähnlich selbstironisch wie der Name der Compagnie: «Peeping Tom» verweist auf Voyeurismus in Bezug auf das Alltagsleben der Normalbevölkerung. In «Chroniques» vermengt Carrizo dagegen rätselhafte, undefinierbare Räumlichkeiten, Körperbilder, Zeitebenen und Beziehungen der Figuren. Im Vergleich mit den Special Effects aus Chartiers Welt zündet Carrizo hier den Turbo: Da sind die Körper derart agil, dass sie sich selbst blockieren, als wäre das Ziel aller Akrobatik eine Kunst des Selbstfesselns. Da wird gemordet und ...

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Tanz Januar 2026
Rubrik: Kalender, Seite 40
von Thomas Hahn

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