Freund oder Feind?
Diese Frage spielt in der Tanzwelt gemeinhin keine Rolle. Man versteht sich als internationale Community, ist via Insta im Austausch und großflächig vernetzt. Doch seit dem 24. Februar, seit Putins Überfall der Ukraine, ist der Kosmopolitismus erledigt. Gewachsene Beziehungen zerreißen, Kulturbrücken stürzen ein – und russische Künstler*innen werden aufgefordert, ihre politische Haltung kundzutun und sich zu erklären: Wie hältst du es mit Putin?
Igor Zelensky, bis Anfang April Direktor des Bayerischen Staatsballetts, schwieg beharrlich.
Er wolle die Politik nicht kommentieren, ließ er wissen, und sich samt seiner Kompanie auf die Kunst konzentrieren. Dass die Kompanie wie so viele andere nur allzu gern gegen die Kreml-Linie Stellung bezogen hätte, wurde spätestens bei der Eröffnung der «Ballettfestwoche» klar. Da schwenkte Alexei Ratmansky nach der Premiere seiner «Bilder einer Ausstellung» auf der Bühne des Münchner Nationaltheaters die ukrainische Fahne. Ein historischer Moment. Selten hat sich ein Repräsentant der klassischen Tanzkunst derart gezielt politisch positioniert. Die Tänzer*innen, die sich mit dem Choreografen zum Schlussapplaus versammelt hatten, wirkten gelöst und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Mai 2022
Rubrik: warm-up, Seite 1
von Dorion Weickmann
Nackt und grau präsentiert sich die Bühne im Schauspielhaus Basel. An der hinteren Betonwand liegen die Tänzer*innen des Ballett Basel wie gestapelte Ware in Nischen. Vorne an der Rampe erzählt eine Tänzerin unter tiefhängenden Scheinwerfern ein Märchen. Von einem Baum als Symbol einer großen Liebe, die mit dem Tod endet. In «Forest Fires» – Marcos Moraus Beitrag...
Sie sind noch da, die sich an den Achseln kratzenden Affen, die anmutig schleichende Pantherkatze, das raufende Wolfsrudel. In der Darstellung durch menschliche Performer*innen sind die Tiere kinderleicht zu erkennen, wie man das eben erwartet von einer tänzerischen Adaption des «Dschungelbuchs». Auch Namen wie Mowgli und Baghira, Balu und Kaa haben der Choreograf...
Es waren die Augen, die in Pavel Mikuláštíks Tanzstück «La Strada» nach Federico Fellinis Kultfilm ans Herz gingen: Rafaële Giovanola tanzte als Gelsomina jenes arme Kind, das von der Mutter an einen Gaukler verscherbelt wird, der es am Seil hinter sich herzieht und für seine Zirkusnummern dressiert. Und es gelang Giovanola, das Publikum zwei Stunden lang als...
