fremdheit: interaktion und rhythmus
Die Damen des Balletts neigen sich auf dem Cover grazil unterm Palmwedel und sehen in diesem alten Libretto gar nicht exotisch aus. Im Gegenteil: Der geneigte Oberkörper, die abgewinkelten Handgelenke, das lange Tutu weisen sie als typische Vertreterinnen des Romantischen aus, stünde da nicht der Name Esmeralda, der dem Ganzen den Klang des Fremden gibt.
Den Spuren der Alterität (Tänze und Tanzende aus fremden Ländern) im Vertrauten (dem klassischen Tanz) nachzugehen, das haben sich Claudia Jeschke, Gabi Vettermann und Nicole Haitzinger schon seit Jahren auf die Fahnen geschrieben und immer wieder ihre Ergebnisse aus dem DFG-Projekt «Kulturelle Inszenierungen von Fremdheit im 19. Jahrhundert» veröffentlicht. Nun liegt ein über 500 Seiten starker Wälzer vor, in dem rund 100 Tanztheorien und 100 Tanzlibretti auf das Phänomen des Fremden befragt werden. Dabei werden mit «Paul et Virginie», «Le diable boîteux», «La Péri» und «La Esmeralda» vier wichtige exotische Ballette einer detailreichen Analyse unterzogen.
Ballordnungen und Körperkonzepte, Medizintheorie und Kolonialisierung, Libretti und Kritik – der Blick ist weit, die Perspektive auf den Gegenstand, der sich ja dadurch erst ...
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Rote Marmelade ist ein Zeug, das gewisse Zeitgenossen bereits am Morgen in ihren Körper befördern können. Es riecht nicht mal besonders und enthält so viel Zucker, wie man zum Einkochen braucht. Bei künstlerischer Anwendung erinnert rote Marmelade an Blut und gilt als profanstes Mittel, um Stichverletzungen, Schusswunden und dergleichen zu simulieren. Was Irina...
Ungeschildkrötet – schönes Wort. Ein vom Schutz des Panzers und von der Lahmheit der Bewegung befreiter Körper. Tanz eben. Isabelle Schad, einst Ballerina, heute Vordenkerin und Tänzerin der freien Szene, sagt: «Der Titel beruht auf einem Tippfehler; der Finger schlug zu weit links auf, es sollte ‹Untitled› heißen.»
In den Berliner Sophiensaelen stürzt sie in ein...
