freiburg: jochen roller
Folklore, so sie nicht gerade aus Lemi Ponifasios Südsee-Atelier kommt, hat ein Image-Problem. Wer bekennt sich (abseits des Oktoberfest-Rauschs) schon freiwillig zu Lodenzwirn, zu Lederbux oder Dirndl? Wer drückt sich ohne Not einen Schwarzwaldhut mit tennisballgroßen Filzpuscheln aufs Haupt? Und wer kann den Anblick wadelpatschender Bajuwaren ertragen, ohne dabei an Loriots «Jodeldiplom» zu denken? Bislang galt als ausgemacht: Germanias Sitten sind was für Heimatforscher und Hobbyethnologen, die Tänze der Altvorderen nichts als Peinlichkeiten auf zwei, vier, sechs … Beinen.
Die DDR hielt das Brauchtum zwar in Ehren, aber diese Tradition hat Jochen Roller – Geburtsort: West-Berlin – knapp verpasst.
Trotzdem ist sein «Trachtenbummler» die zarteste Versuchung, seit es lila Almkühe gibt: Gut 60 Minuten lang kreuzen der Choreograf und seine fünf Mitstreiter durch deutsche Volkskunst-Gefilde, um hin und wieder einen Nachbarschafts-Abstecher einzulegen. Vom Schuhplattler über den «Schwarzwälder Fasnachtstanz» bis zum «Vorarlberger Ländler» ackern sie sich durch ein Repertoire, das die Hochkultur einst keineswegs verschmähte. Schließlich fackelte so gut wie jedes Ballettdivertissement ...
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Tanz Oktober 2013
Rubrik: kalender und kritik, Seite 36
von Dorion Weickmann
im november: politik_________
Überall in der Republik steht der Kulturhaushalt – auf unerträglich wackeligen Beinen. Bundeshilfen wie die «Doppelpass»-Initiative verdeutlichen erst recht die Tiefe des Grabens zwischen Künstlern und den einst für sie geschaffenen Institutionen. Lediglich 2,5 Prozent (!) des gesamten Berliner Kulturhaushalts fließen an die...
Dem Tanzerbe zu huldigen, ist in der Ballettwelt nachgerade eine Pflichtübung. Aber was wurde Fabian Barba vor wenigen Jahren noch bestaunt, als er erzählte, er wolle Mary Wigmans Tänze – Entstehungszeit frühes 20. Jahrhundert – rekonstruieren. Heute liegt so was: voll im Trend. Dabei geht es der Sache nach um den Blick zurück innerhalb des eigenen Genres. Bei all...
newcomer_________
adam linder
«Context rules everthing around me.» Adam Linder schwingt den Besen. Er befreit die Bühne von allem, was über sie gegangen oder getanzt ist, um danach einen sinnlich-parodistischen Diskurs anzuzetteln. Was sagt uns der Rap als Antwort auf das Theater und dessen festgefahrene Erzählformen? Das fragt der in Berlin lebende Australier in...
