Free Fall

Jiří Kylián in Lyon: eine Installation

Tanz - Logo

Am besten betritt man den Dark Room einzeln. Obwohl, so dunkel ist es in dem Raum dann doch nicht, den der Choreograf Jiří Kylián mit seinen Fotos bestückt. Auch ist man nicht ganz allein. In einer Ecke scheint jemand, auf einem Stuhl sitzend, auf all die Objekte aufzupassen, die sich vom Besucher greifen lassen. Beim Nähertreten meint man Sabine Kupferberg zu erkennen, in sich gekehrt, wie vor einer abendlichen Aufführung meditierend.

Es ist Sabine Kupferberg, Kyliáns Muse, sein Fotomodell.

Besser gesagt: ein Duplikat, porentief rein, 2003 für das Stück «Far Too Close» von ihr abgenommen mit medizinischem Silikon, das man sonst für den Gebissabdruck verwendet. Die Augen geschlossen, die Hände gefaltet, zwischen den Fingern eine silberne Skulptur haltend, die man wie ein Puzzle entweder auseinandernehmen oder zusammensetzen kann, wirkt das Alter Ego der Tänzerin erschreckend echt. Fast fürchtet man, die Leblosigkeit der Puppe könnte sich unvermittelt in ihr Gegenteil verkehren.

Wie alle Arbeiten der letzten Jahre handelt auch «Free Fall» von nichts anderem als vom Augenblick und von seiner Vergänglichkeit, von ­Leben und Tod. Kylián selbst spricht im Zusammenhang mit seinen Fotos ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz August/September 2017
Rubrik: Bewegung, Seite 4
von Hartmut Regitz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Vorschau - Impressum August/September 2017

Gil Roman

Das Erbe, das dieser Mann verwaltet, ist eine Zentnerlast. Denn der große Maurice Béjart, der vor genau zehn Jahren starb, hat epochale Werke und eine legendäre Kompanie hinterlassen. Unterdessen hat der Nachfolger offenbar vieles richtig gemacht: Das Béjart Ballet gedeiht, der Nimbus lebt. Ein Report

Kirill Serebrennikov

Sensation und Skandal am...

Meg Stuart

«Heavy lifting! Ja. Heavy lifting, moaaaah.» Ein kurzes Stöhnen grollt aus Meg Stuarts Kehle. Es ist der Sound des Mitfühlens, denn so klingt, was die Tänzer in diesem Augenblick tun: Sie drücken sich wieder und wieder vom Boden weg, springen, aber mit Körpern, die aussehen wie tropfnass-vollgesogene Säcke. Sinnloser Versuch, mit einer Bewegung die Materialität des...

Newcomer, Personalien August/September 2017

Newcomer: Marcus Pei

Er hat schon manchen Preis gewonnen – in Mathematik zum Beispiel. Denn Marcus Pei ist ein mathematisch-musisches Phänomen. Er fand die logischen Naturwissenschaften als Kind spannender als das Ballett und ließ sich von der Mutter eher widerwillig in den Tanzsaal schieben. Irgendwann hat es ihn dann doch gepackt – als er in musikalischen und...