Kate McIntosh: «All Ears»
Kate McIntosh, Neuseeländerin mit Wohnsitz in Brüssel, Choreografin mit Hang zur Naturwissenschaft und deren Art zu experimentieren, hat ein neues Stück gemacht. «All Ears» geht aufs Ohr und fahndet nach dem Hören. Doch mit dem Verweis aufs Ganz-Ohr-Sein handelt es vor allem von Aufmerksamkeit und Achtsamkeit: ein großer Wurf, weil er gar nicht groß daherkommt.
«Just wondering». Erst einmal sagt sie gar nichts, schaut nur die an, die in den Saal von PACT Zollverein in Essen strömen.
Sitzt im grauen College-Pulli an einem schräg drapierten Tisch, notiert etwas auf Zetteln, wartet die Stille ab, die eintritt. Das Saal-Licht bleibt an. Dann redet sie los. Sie fragt, wer hier wohl pfeifen kann, wer immer pünktlich ist, wer alleine gekommen ist, wer Geister gesehen hat, wer Leute grüßt, deren Namen er vergessen hat. Sie zählt und kommentiert die Handmeldungen, als sei es eine Umfrage.
«14 forgotten names». Wer mal etwas gestohlen hat, solle einmal hüsteln, wer mal mit anderen musiziert habe, stampfe zweimal. «Schaut euch um!» Das dient nicht der pseudomutigen Entblößung, die mitunter nicht vor, sondern auf den Bühnen praktiziert wird. Die mit trockenem Humor gewürzten Fragen, die ...
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