frankfurt: crystal pite «the you show»
Auf allen vieren jault ein Anzugträger. Lustvoll zerrt ihn ein anderer am Kragen, bis dem Hund selbiger platzt und er im zärtlich-zornigen Spiel von Annäherung und Erniedrigung sein Herrchen zu Boden stößt. Dabei beginnt Crystal Pites «The You Show» recht harmlos mit einem Identifikationsappell: «This is your voice», raunt eine Frauenstimme und erklärt, der agile Frauenkörper auf der Bühne sei der unsrige. Wer dachte, der alte Hut Identifikation habe nichts verloren im zeitgenössischen Tanz, wird zu einem Besseren überredet.
Denn die kanadische Choreografin und ihre Kompanie Kidd Pivot Frankfurt RM starteten ihre dreijährige Arbeit am Künstlerhaus Mousonturm mit einer Charme-Offensive aus Witz und Virtuosität, Bombast und Beschwörung.
In vier Episoden erzählt «The You Show» Geschichten von Annäherung und Einsamkeit, Sehnsucht und Individualismus, und Crystal Pites feiner Witz verbindet sich mit einer luziden Diagnose von entfremdeten Beziehungen. Im Minenfeld der Zwischenmenschlichkeit ändern sich die Verhältnisse übergangslos von zart zu hart. Einer wird zur Marionette, zum bespielbaren Instrument als Spiegelbild des Eigenen. Behutsam tasten Yannick Matthon und Cindy Salgado sich ...
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Tanz Juni 2011
Rubrik: kalender, Seite 44
von Esther Boldt
«Ein bewegtes Leben in Tanz, Film und Kabarett» nennt sich die Ausstellung, die Franziska Buhre und Elke Vera Kotowski im Auftrag des Moses-Mendelssohn-Zentrums kuratiert haben: keine Schau der Superlative, sondern eher ein Kabinettstück, das auf kleinem Raum alle Aspekte einer komplexen Künstlerpersönlichkeit aufzeigt. Mittendrin und überlebensgroß: ein Porträt...
Wie ein Rücken liegt die Stadt da, gebogen; sie strahlt beinah Geborgenheit aus, wenn man auf dem neuen Flughafen am Mittelmeer landet. Beirut ist furchtbar anheimelnd. Im zeitgenössischen Tanz arbeitet sich der Ort gerade nach vorn, als Treffpunkt der immer noch kleinen Tanzszene in der riesigen Welt von Marokko bis Irak, die zum zweiten Mal seit 2009 zur...
Film
Die Performance einer Choreografie ist etwas Flüchtiges, was nur im Moment der Aufführung vollständig existiert und danach nur noch als zerfallende Erinnerung in den Köpfen derjenigen, die der Aufführung beigewohnt haben.
Das Filmen, für gewöhnlich in Form einer Videoaufzeichnung, bildet eine Möglichkeit, das Geschaffene festzuhalten, doch kann ein Film das...
