Infinity Rooms

Punkte, Spiegel, Obsessionen: Yayoi Kusama.

Hot Pink – das Museum steht in Flammen. Feuertentakel mit großen schwarzen Punkten winden sich aus dem Boden des Atriums. Die Installation ist das spektakuläre Entree zur Retrospektive einer großen Nachkriegsavantgardistin im Berliner Gropiusbau: Yayoi Kusama. Die Ausstellung hat einen interessanten Zugang: Sie setzt acht Shows der 92-jährigen japanischen Künstlerin neu zusammen, die Wendepunkte in ihrer Karriere markieren. Es ist eine großartige Einführung in ihren Werdegang, ihren intuitiven, sehr körperlichen Prozess und zeigt das ganze Spektrum ihres obsessiv-kreativen Output.

Dieses Eintauchen in Kusamas Werk ist eine Freude für die Sinne, bietet aber wenig Zuflucht vor eigenen Ängsten oder den Überforderungen der Realität draußen. In der für sie künstlerisch wohl wichtigsten Zeit im New York der 1960er-Jahre entstehen die berühmten Unendlichkeitsnetze und -räume. Deren Quelle und Gegenstand sind Leiden und Ängste: die Halluzinationen, die die Grenzen von Realität verwischen und die Kusama seit ihrer Kindheit durchlebt, und die Krankheit – obsessive Zwangsstörungen. Setzt sich ein Gedanke fest, wird sie ihn nicht mehr los. Sie malt und inszeniert das, wovor sie Angst hat: ...

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Tanz Juni 2021
Rubrik: Bewegung, Seite 6
von Marina Dafova

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