Forsythe, Gates, Tippet: «With/Out Tutu»
Wenn klassisches Ballett, dann aber mit Tutu! Auch ein William Forsythe will auf das traditionelle Tanzkostüm nicht verzichten. Doch in «The Vertiginous Thrill of Exactitude» hat Stephen Galloway den Tellerrock auf seine eigentliche Struktur geschrumpft: keine einzige Schicht aus Tüll, verklärend übereinandergelegt – stattdessen ein mit grünem Samt überzogener Glasfiberreif, so scharfkantig, dass er den Partnern gefährlich werden könnte.
Und gefährlich ist das Stück – zusammen mit seiner «Approximate Sonata» erstmals vor zwölf Jahren vom Ballett Frankfurt «in the Manor of the late 20th Century» vorgestellt – allein schon seines Tempos wegen. Forsythe lässt keine einzige Note des Finalsatzes aus der «Großen» Schubert-Sinfonie unter den Tisch fallen. Er begreift den Rausch der Geschwindigkeit als einen «schwindelerregenden Schauder der Exaktheit», bei dem selbst die Solisten-Equipe des Staatsballetts Berlin an die Grenzen ihrer physischen Möglichkeiten stößt. Anstatt Forsythes Präzisionsmuster als perfide Parodie gängiger Ballettmeister-Arbeiten zu entlarven, nehmen Beatrice Knop, Shoko Nakamura, Polina Semionova, Vladimir Malakhov und Dinu Tamazlacaru die Herausforderung allzu ernst ...
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