Forever young

Tänze, ihr könntet ewig leben. Aber wie überträgt sich der Tanz, zumal das Solo, von einem Körper auf den anderen?

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Es ist ein gutes Zeichen und ein schlechtes. Der zeitgenössische Tanz entwickelt Geschichts­bewusst­sein und bemüht sich nun ebenfalls, das eine oder andere Werk als «Klassiker» ins Repertoire zu vermitteln. Was dem Ballett recht ist, darf ihm billig sein. Doch Hinwendung zur Vergangenheit bedeutet auch ein wenig Zweifel an der Zukunft. Denn es geht nicht recht vorwärts im Tanz. Schauen wir darum zurück? 
Das Wörterbuch nennt zu Überlieferung «überlieferte Sitten, Gebräuche, Formen». Was auf ein traditionelles, hierarchisches System verweist.

Der Meis­ter und sein Schüler. Im indischen Modell etwa ist der Guru ein Lehrer in der Kunst der Existenz. Was bereits weit über die Körpertechnik hinausreicht. Wie einst bei Maureen Fleming, die, um sich seine Weisheit einzuverleiben, Kazuo Ohno fütterte, weil der Meister etwas schwächlich war. So brüderlich und schwesterlich geschieht hier Überliefern, wenn der ursprüngliche Interpret und/oder Choreograf entscheidet, dass es an der Zeit ist. Dann sucht er sich den Erben, le dépositaire, den Empfänger.
Und geht ins Studio. Der Wunsch, das Begehren, die Initiative gehen vom «Meister» aus. Der titulaire, der rechtmäßige Inhaber des Stücks kann, ...

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Tanz Juli 2006
Rubrik: Transmission, Seite 68
von Thomas Hahn

Vergriffen
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