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Klassische Sparten interessieren ihn genauso wenig wie die Frage, ob ein Schuhplattler nun Kunst ist oder nicht. Alessandro Sciarroni ist der Grenzgänger in Italiens Tanz-Szene – und ein Essentialist des Körpers

Hier geht es um Tanz. Die Fotos auf diesen Seiten halten Augenblicke fest, in denen perfekte Tänzerkörper plastische Posen einnehmen; nicht ein Haar am falschen Platz, der Spann perfekt gestreckt, mit einem Gesichtsausdruck höchster Konzentration; oder aber Detailaufnahmen einer halbnackten Schulter, einer entblößten Taille, einer Hammerzehe – kleine oder weniger kleine Zeichen gewollter Imperfektion, eines experimentellen Aufbegehrens.

Der Tanz existiert, wie jede andere performative Kunst, auf der einen und auf der anderen Seite: in der Suche nach sublimer Poesie der Form und im Bruch eben dieser Form, um eine bis dato unhinterfragte Konvention auszuhebeln.

Um den vertrauten Kategorien zu entfliehen, gehen die szenischen Künste heutzutage neue Verbindungen ein, sie vermischen und kreuzen sich. Aber was steuert diese Flucht? Wenn mir ein Tänzer auf der Bühne nichts anderes zeigt als seinen perfekten Körper und die in der Ausbildung erlernte, über jeden Tadel erhabene Technik, rechtfertigt das die Schlussfolgerung, dass ihm der Tanz als Form genügt? Oder bedeutet es vielmehr, dass er sich für einen Kodex entschieden hat, der Sicherheit vermittelt, indem er dem Publikum die Mittel ...

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Tanz März 2013
Rubrik: produktionen, Seite 12
von Sergio Lo Gatto

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