Flucht ins Märchenschloss

Deutsche und internationale Ballettakademien nehmen Kinder aus der Ukraine auf.

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«Schlimme Geschichten» seien es, die die Kinder erzählen, sagt Tadeusz Matacz, Leiter der Stuttgarter John Cranko Schule. Wie in allen großen Ballettakademien sind auch hier Kinder aus der Ukraine untergekommen, genauer gesagt Ballettschüler, die hier ihre Ausbildung fortsetzen können. Manche wurden von den Eltern gebracht, manche kamen ganz alleine im Bus viele Kilometer von der polnischen Grenze gefahren.

Katerynas Mutter fuhr nach einem tränenreichen Abschied wieder die weite Strecke zurück, um bei den Großeltern zu bleiben, andere Mütter und Geschwister sind noch in Polen oder bereits in Italien. Ob die Ballettschüler selbst Bombardements erlebt haben oder einfach nur tagelang in den endlosen Staus an den Grenzen zu Rumänien, Moldau, Polen ausharren mussten: Jetzt stehen sie staunend in dieser tollen neuen Schule, bekommen T-Shirts und Booties geschenkt, fühlen sich willkommen und finden morgens wieder Halt an den vertrauten Stangen.

Die internationale Verteilungsaktion lief hauptsächlich über Larissa Saveliev, Mitbegründerin des «Youth America Grand Prix», des inzwischen größten Ballettwettbewerbs der Welt. Im März hätte zum ersten Mal eines der Semifinals in der Ukraine ...

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Tanz Mai 2022
Rubrik: Ukraine-Krieg, Seite 10
von Angela Reinhardt

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