Finanzherbst

Tanz - Logo

Ende September konnte ich die NRW-Premiere von «Cranko» besuchen, in der Lichtburg Essen. Ganz großes Kino! Im größten Kinosaal Deutschlands, in der Kathedrale der Lichtspielkunst, ein Film über das Ballettwunder von Stuttgart. Eine Reise zurück in die alte Bundesrepublik, in der Stuttgart zum Epizentrum des Tanzes wurde, das später – siehe John Neumeier, Jiří Kylián, William Forsythe – national und international abstrahlte. Es war eine Welt, in der sich (noch) alles ums Ballett drehte.

In den Jahrzehnten danach ist eine grandios diverse Tanzwelt entstanden – eine Vielfalt der Ästhetiken, Produktionsformen und politischen Ansätze. Aber heute und angesichts massiver Kürzungen der Kulturetats in Städten, Ländern und beim Bund – ist diese Tanzwelt vereint: in Versionen des Prekären. Freie Künstler*innen ringen um ihr Einkommen. Ensembles an Stadttheatern können mit Tarifsteigerungen rechnen, aber fragen sich, wie viele Stellen dafür demnächst weggespart werden. Die Szene der Tanzpublizist*innen schlägt sich wacker, wird aber jedenfalls nicht größer. Tanzarchive klagen seit Jahren über fehlende Ressourcen und sollen auch noch viel sichtbarer werden. Und auch für Tanzschulen wird die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz November 2024
Rubrik: Warm-up, Seite 1
von Michael Freundt

Weitere Beiträge
Challenges

Als Tänzerin an John Neumeiers Hamburg Ballett habe man sie als «elegant» beschrieben, erzählt Kristina Paulin. Aber was heißt das bei einer Tänzerin – Eleganz? Vielleicht: dass da jemand seine Arbeit ernstnimmt, ohne zu verschleiern, dass es sich um Arbeit handelt. Das Publikum sieht, was für Anstrengung nötig ist, aber die Anmut der Bewegung ist der Lohn dieser...

Antoine Jully «Kratt»

Die Dorfjugend hängt im öffentlichen Raum rum. Es wird geknutscht, es wird getrunken, es wird rumgegockelt, irgendwann gibt es Stress, einer zieht ein Messer, «Ey, was willst du?», hektische Bewegungen, bedrohliche Ruhe. Hübsch, mit welch einfachen Mitteln Antoine Jully hier einen historischen Stoff in die Gegenwart holt: mit einem graffitiübersäten Mäuerchen...

Yasmeen Godder «Shout Aloud»

«Shout Aloud», in Frankfurt als Koproduktion von Künstler*innenhaus Mousonturm und Schauspiel Frankfurt gezeigt, ist Konzert und Tanzstück in einem. Ausgangspunkt ist Dikla Doris Debütalbum «Ahava Musica» («Love Music») von 2000, in der Aufführung von der Popkünstlerin – selbst «arabischstämmige Jüdin», so die projektfördernde Kulturstiftung des Bundes – mit ihrer...