Antoine Jully «Kratt»

Oldenburg

Tanz - Logo

Die Dorfjugend hängt im öffentlichen Raum rum. Es wird geknutscht, es wird getrunken, es wird rumgegockelt, irgendwann gibt es Stress, einer zieht ein Messer, «Ey, was willst du?», hektische Bewegungen, bedrohliche Ruhe.

Hübsch, mit welch einfachen Mitteln Antoine Jully hier einen historischen Stoff in die Gegenwart holt: mit einem graffitiübersäten Mäuerchen (Ausstattung: Thomas Ziegler), mit Jogginghosen, Leggings und Tanktops, mit einer zurückhaltenden Kampfchoreografie, mit einem Ensemble, das Figuren darstellt, die vor Kraft zu zittern scheinen, und die doch nicht wissen, wohin mit dieser Kraft. Dorfjugend halt, latent aggressionsgeladen.

Eduard Tubins 1943 uraufgeführtes Ballett «Kratt» ist in Estland ein nationales Heiligtum, das in Tartu und Tallinn ununterbrochen auf dem Spielplan steht. Außerhalb des Baltikums ist das Werk kaum bekannt, die Dramaturgin Telse Hahmann weiß von einer Inszenierung aus den Achtzigern in Göteborg, die Neufassung des Oldenburger Ballettdirektors ist die deutsche Erstaufführung des Stoffes. Dabei bietet «Kratt» als Märchenballett zu Tubins forciert moderner Musik einiges an Schauwerten: Die Titelfigur ist in der baltischen Mythologie ein Kobold, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz November 2024
Rubrik: Kalender, Seite 36
von Falk Schreiber

Weitere Beiträge
Side step 11/24

Solidarität
CARMEN
«Lasst Carmen leben», ereifert sich Abou Lagraa. Und meint den Stier gleich mit. «Heute noch einen Frauenmord aus Eifersucht oder das Abstechen eines Tieres als Vergnügen zu zeigen, das geht gar nicht!» Mit dem Opernballett aus Tunis stellte der in Annemasse bei Lyon ansässige Gründer der Kompanie La Baraka eine Megaproduktion auf die Beine, die...

Abgetaucht

Es läuft gut für Wayne McGregor. Gerade wurde dem Mittfünfziger angetragen, nach vier Jahren als Kurator der «Biennale di Danza» in Venedig zwei weitere Jahre dranzuhängen. Selbstredend sagte er zu. Daheim in London tummelt sich der Liebhaber Künstlicher Intelligenz (KI), getanzter Mikrobiologie und Neurologie im Metaverse. Die von ihm angestoßenen Begegnungen...

Tanzspielpläne 11/24

Augsburg Staatstheater «Frida», Tanztheater von Ricardo Fernando über die mexikanische Malerin Frida Kahlo. martini-Park, 8., 10., 23. Nov.; www.staatstheater-augsburg.de 

Berlin
Ballhaus Naunynstraße
 «Eventually Causing the Shake», Soloperformance von Lois Alexander. 13.–16. Nov «Cyclops», intermediale Performance des Tänzers und Fotokünstlers Zé de Paiva. 20.–23....